Betrieb & Gewerkschaft
Disko bei Indymedia
in Sachen FAU ./. Babylon & Gewerkschaftsverbot
Statements von Karl Mueller02/10
trend
onlinezeitungVorbemerkung
Am 4.2.2010 erschien bei Indymedia ein Bericht über die Berliner Soli-Veranstaltung gegen des Gewerkschaftsverbot der FAU, worüber in dieser TREND-Ausgabe ("Solidarität mit der FAU") bereits berichtet wurde. Dieser Bericht veranlasste mich zu einem Statement im aktuellen Editorial, welches ich in der Quintessenz bei Indymedia wiederholte. Darüber entspann sich folgender virtueller Dialog:Johann 05.02.2010 - 13:22
ich verstehe nicht so recht, was du mit den mythen letztlich aussagen willst. insbesondere nicht, wenn der link zu infopartisan darunter steht. ich wäre dankbar für eine kurze erläuterung, denn nicht jeder kann zwischen den zeilen lesen, mir z. b. fällt das oft schwer.Karl Mueller 05.02.2010 - 17:35
Hallo Johann,
der Link zur TREND onlinezeitung sollte nur eine Hilfe sein, um mich besser politisch zuordnen zu können.
Zu den Mythen:
zu 1) In der Veranstaltung wurde viel am DGB rumgenörgelt, insbesondere daran, dass er so zentralistisch sei. Sein politisches Konzept als Einheitsgewerkschaft stand dagegen außer Frage. Tatsächlich sind der DGB und seine Einzelgewerkschaften sozialdemokratische Richtungsgewerkschaften, deren Zweck es ist, staatstragend die Geschäftsabläufe des Kapitals mitzugestalten.
zu 2) Wenn von Holger Marcks (FAU) und dem FAU-Betriebsratsmitglied bei Babylon in Abgrenzung zum hierarchisch-zentralistischen DGB ihr betriebsnahes Basiskonzept als das bessere (effektivere) herausgestellt wurde, so geschah dies ohne inhaltliche Bezugnahme auf den Anarchosyndikalismus, dessen formaler Ausdruck schließlich die Organisationsstruktur des FAU ist. Hätten die ReferentInnen die politischen Inhalte und Zielsetzungen der beiden Gewerkschaften verglichen (Zeit hatten sie dafür), dann hätten sich ihre ZuhörerInnen ein Bild davon machen können, ob die FAU-Organisationsstruktur (Zwitter von Partei und Gewerkschaft) wirklich so fortschrittlich ist, wie sie bei rein formaler Betrachtung gegenüber dem DGB erscheint. Jedenfalls lobte unwidersprochen der Rechtsanwalt des 1. Podiums, ein Unternehmeranwalt,ausdrücklich eine betriebsnahe, basisdemokratische Gewerkschaft, weil nur DIE - so wie die FAU - im Gegensatz zu dem Koloss DGB in der Lage sei, zu Zeiten der Krise unternehmensbezogen beim Jobkill mitzuwirken.
Zu 3) Dass ein bürgerliches Gericht mit dem Argument der sozialen Mächtigkeit darüber repressiv wacht, dass dem DGB sein Monopol nicht beschädigt wird, erleben unternehmernahe Gewerkschaften häufiger. In der Veranstaltung drehte sich die Argumentation leider formaljuristisch nur um diesen Punkt, statt sich über gemeinsame politische Aktionen konkret zu verständigen, mit denen die "soziale Mächtigkeit" ganz praktisch und außergerichtlich unter Beweis gestellt wird.Johann 06.02.2010 - 00:43
die fau hat also bei der podiumsdiskussion ihre prinzipien nicht differenziert genug dargestellt und daher ihre argumentation für ein herrschaftskritisches publikum nicht überzeugend dargelegt, habe ich das richtig verstanden?Karl Mueller 06.02.2010 - 20:52
Hallo Johann,
in dieser Veranstaltung sollte es darum gehen zu verstehen, dass die Gerichtsentscheidung gegen die FAU ein Angriff auf alle darstellt, die sich als LohnarbeiterInnen gewerkschaftlich betätigen (wollen), und es sollten daher Fragen der praktischen Solidarität besprochen werden.
Tatsächlich wurde aber von der FAU hauptsächlich Werbung für sich gemacht, indem ihr gewerkschaftliches Auftreten bei Babylon als das für KollegInnen einzig richtige , weil betriebsnahe Konzept (ohne Hierarchien) im Lohnkampf angepriesen wurde. Betrachtet mensch sich nun die Ziele, um die es bei Babylon ging, mit den Kampfzielen, die in anderen Betrieben mit einer DGB-Org-Struktur angepackt werden, so erschließt sich nicht, warum die FAU für diesen Zweck (Lohn/Leistung) diese "bessere" Gewerkschaft sein soll.
Einen anderen Blick auf diesen Sachverhalt gewinnt mensch, wenn die gesellschaftpolitische Alternative der FAU nämlich die des Anarchosyndikalismus - eine freie Gesellschaft jenseits des Kapitalismus - in die Debatte hinein geholt wird. Dann wird der basisorganisierte Kampf um Lohn und Leistung gleichsam zur Schule für den noch zu entfaltenden Kampf um eine andere, nichtkapitalistische Gesellschaft.Editorische Anmerkungen
Bei Indymedia findet sich ein Artikel, der alle wichtigen Aktivitäten in Sachen FAU ./. Babylon sehr übersichtlich zusammenfasst: http://de.indymedia.org/2010/01/271364.shtml