Neuwahlen & "Links"partei
Kämpfen statt wählen
Gemeinsame Erklärung der KPD (Bolschewiki) und
der KPD (Marxisten-Leninisten) zur Bundestagswahl am 18. September 2005
09/05

trend
onlinezeitung

Der Linkspartei wird vorausgesagt, daß sie bei den Bundestagswahlen die drittstärkste Partei werden wird. Sie bündelt den Frust vieler, die durch Hartz IV, Agenda 2010 und den zunehmenden Druck des weltweiten Kapitalismus auf die Arbeiterklasse in Deutschland mehr und mehr an Einkommen und sozialer Absicherung verlieren.

Laut Umfragen wollen 70 Prozent der möglichen Linksparteiwähler diese Partei nicht wegen ihres Programmes, sondern aus Protest wählen. Kann man aber mit dem Kreuz auf dem Stimmzettel bei der Linkspartei protestieren, wenn die gar keine linke Partei ist? Wo die PDS wie in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern in Regierungskoalitionen vertreten ist, hat sie eiskalt den Sozialabbau gemeinsam mit der SPD durchgezogen.

Schlägt dann wenigstens das Herz von Oscar Lafontaine links? Keineswegs. Als SPD-Vordenker und saarländischer Ministerpräsident hat Lafontaine die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe, die Schaffung eines Niedriglohnsektors, Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich und die „Flexibilisierung“ von Tarifverträgen bereits gefordert, als in der SPD noch kein anderer an die „Agenda 2010“ oder „Hartz IV“ gedacht hat. Unter Lafontaine bekam das Saarland eines der restriktivsten Landespressegesetze in der BRD. Auch Lafontaines Friedenspolitik ist zu relativieren. Zwar wandte er sich zu Beginn der 80er Jahre gegen die „Nachrüstung“, aber bereits 1993 leitete er mit dem damaligen SPD-Chef Engholm die sogenannte Petersberger Wende ein. Danach stimmte die SPD der Beteiligung deutscher Soldaten an UNO-Militäreinsätzen zu.
Die Linkspartei vertritt die Auffassung, daß durch die Stärkung der Kaufkraft der Wirtschaft wieder neuer Schwung vermittelt werden kann. Der Motor der kapitalistischen Wirtschaft befindet sich aber weder in der Verteilungs- noch in der Produktionssphäre. Der Motor der kapitalistischen Wirtschaft ist allein die Notwendigkeit der Erlangung und die stetige Steigerung von Profit. Verteilungs- und Produktionssphäre stehen, wie Marx und Engels herausfanden, in einem grundlegenden Widerspruch, der sich zyklisch und in zunehmendem Maße permanent in Überproduktionskrisen äußert. Die Produktivität in ehemals rückständigen Ländern liegt inzwischen auf ebenso hohem Niveau wie in Westeuropa, die Löhne aber sind deutlich niedriger. So erzielt der Kapitalist dort einen höheren Mehrwert. Nur der Kampf gegen die wirklichen Ursachen von Arbeitslosigkeit, der Kampf für die Beseitigung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, für die Beseitigung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen kann dem gnadenlosen Mechanismus der Lohnsenkung und der Verlagerung von Arbeitsplätzen eine Schranke setzen.

Hüseyin Aydin, der Sprecher der WASG in NRW hat sich wie folgt geäußert: „Wir sind der Auffassung, daß wir im bestehenden System durch Reformen Veränderungen herbeiführen, um die Teilhaberechte der Menschen am gesellschaftlichen Leben und Reichtum sicherzustellen. Dazu brauche ich keinen Sozialismus.“ Ähnlich hat sich kürzlich auch Frau Pau auf der 9. außerordentlichen Tagung der PDS geäußert. Das Ziel ist, den Kapitalismus ein bißchen besser zu verwalten. Ändern wird sich so nichts, rein gar nichts. Keiner von der Linkspartei will mit solchen pseudolinken Phrasen wie „Teilhaberechte der Menschen sichern“ die vom Raub ihrer sozialen Rechte betroffenen Menschen weiter mobilisieren als bis zur Wahlurne. Sie wollen nur den Unmut kanalisieren und in harmlose Bahnen lenken.
Als das Wahlbündnis von PDS und WASG Konturen annahm, versuchten einige sich kommunistisch nennende Parteien, auf den Zug in den nächsten deutschen Bundestag aufzuspringen. Der DKP sind in verschiedenen Landesverbänden auch tatsächlich ein paar, wenn auch völlig aussichtslose Listenplätze zugewiesen worden. Man kennt sich. Schon im vergangenen Herbst hatte die DKP gemeinsam mit PDS und attac eine ziemlich unrühmliche Rolle beim Abwürgen der Anti-Hartz IV-Demonstrationen eingenommen.

Auch die Führungsriegen von MLPD und KPD haben versucht, sich bei den falschen Sozialisten Lafontaine, Gysi und Bisky einzuschleimen, um deren angeblich antiimperialistisches Kräftepotential zu stärken. Anstatt sich mit den reformistischen und revisionistischen Floskeln der sogenannten Linkspartei ideologisch auseinanderzusetzen, hat man so zur weiteren Verwirrung und Desorientierung vieler Menschen, insbesondere auch der eigenen Mitglieder und Sympathisanten beigetragen. Völlig unverständlich ist auch, wie die KPD einen Mann zu ihrem Spitzenkandidaten küren konnte, der in seinem Wahlkampf vor drei Jahren unter anderem eine „mächtige Bundeswehr“ für das imperialistische Deutschland gefordert hatte.

Wie zu erwarten war, ist beiden Parteien von der WASG/PDS höflich aber bestimmt die kalte Schulter gezeigt worden. Die MLPD will nun allein antreten. Doch so oder so, in ihrer Glaubwürdigkeit sind sie und die KPD tief gesunken.

Da zu den diesjährigen Bundestagswahlen keine Partei kandidiert, die eine wirkliche Alternative zu den verschiedenen Schattierungen prokapi- talistischer Parteien darstellt, empfehlen wir unseren Mitgliedern und Sympathisanten, am 18. September ungültig zu stimmen.

Es kommt jetzt darauf an, den außerparlamentarischen Kampf zu intensivieren, die sozialistische Perspektive noch mehr zu propagieren und die wirkliche kommunistische Bewegung zu stärken.

Kommunistische Partei Deutschlands (Bolschewiki)
Dingelstädter Straße 14, 13053 Berlin
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Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten)
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Web www.kpd-ml.net
E-Mail kpd-ml@arcor.de

 

Editorische Anmerkungen

Der Text erschien bei http://www.kpdb.de/akt/index_akt.htm