Neuwahlen & "Links"partei
Maul halten und wählen - Wer seine Stimme abgibt, der hat bereits verloren
Völkische Ergüsse – Lafontaines braune WASG/PDS-Soße09/05
trend
onlinezeitungWarum lehnen wir die neue Linkspartei.PDS ab? Sie weckt doch so viele Hoffnungen – ja, auf was denn? Die extrem populistische Speerspitze dieser alten Wahl-Alternative ist der ehemalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine, der bereits 1998 die Zusammenstreichung der Sozialleistungen gefordert hat. Heute ist er für die Abschaffung von Hartz IV, weil damit der "kleine Mann" zur Kasse gebeten wird. Wir nennen das demagogisch. Viel schlimmer aber sind seine üblen Parolen vom "Volk". Es ist ekelhaft, vom "Willen des deutschen Volkes" zu sprechen; davon, daß der "kleine Mann" von "denen da oben" nicht mehr ernst genommen wird - als wenn das jemals der Fall war! Hier werden die unpolitischsten Instinkte derjenigen angesprochen, die davon träumen, daß sie endlich wieder jemand richtig vertritt, anstatt sich mal selbst um irgend etwas zu kümmern.
Das alles hat mit fortschrittlichen Inhalten überhaupt nichts zu tun. Wer so blöd ist, auf dieses Bündnis hereinzufallen, handelt nicht politisch, sondern opportunistisch! Endlich kommen diese Typen mit der Mobilisierung des Schill-Wählerpotentials in Parlamente (wie es die WASG in ihrem Gründungspapier plante). Toll auch, wie sich jetzt alle "Linken" einig sind ... zu keiner Sachfrage gibt es gemeinsame Standpunkte, aber jetzt buhlen sie um die Leute, die nicht einmal zu so einer Fußlatscherei wie den Montagsdemonstrationen bereit gewesen sind. Der Stimmzettel ersetzt keinen Widerstand!
Glaubt irgendjemand ernsthaft, es würde jetzt umgekehrt funktionieren? Eine parlamentarische Opposition ermögliche zukünftigen außerparlamentarischen Widerstand in den Betrieben und auf der Straße? Glaubt irgendjemand ernsthaft, daß diese machtgeilen Schlipsträger Gysi & Lafontaine samt ihren lokalen Aushilfspolitiker/innen jetzt endlich unseren Widerstand unterstützen werden? Wir verweisen nur auf die PDS-Beteiligung in den Regierungen von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern und die vielen sozialpolitischen "Sachzwänge"...
Gesundes Volksempfinden funktioniert – nicht : siehe LBK-Verkauf!
Was die machtgeilen Politiker vom Volkswillen wirklich halten, sehen wir doch am Verkauf der kommunalen Krankenhäuser des LBK. "Das (hamburgische) Volk" mobilisiert sich selbst zu den Unterschriftenlisten und Wahlurnen eines sozialdemokratischen Volksentscheides, stimmt mit fast 78% gegen den Verkauf an einen kapitalistischen Investor – und die Regierung hält sich nicht daran.
Agenda 2010 und Hartz I-IV – funktionieren : Löhne wurden erfolgreich gesenkt!
Die Personal-Service-Agenturen, die Ich-AGs und der Zusammenlegung der Arbeitslosen- mit der Sozialhilfe zum ALG II haben tatsächlich etwas bewirkt: Weil die Unternehmen ihre Firmen nach kapitalistischen Prinzipien durchrationalisieren und auch noch den letzten überflüssigen Lohnfaktor "outsourcen" – trotz steigender Auslandsinvestitionen in Deutschland und sinkendem Lohnniveau in den letzten zehn Jahren: die Löhne werden weiter abgesenkt. Profit ist eben richtig geil!
Es wird kein einziger Arbeitsplatz entstehen, nur weil die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer.
Und obwohl die Ausgaben für das ALG II allein in diesem Jahr um mehr als 8 Mrd. auf über 23 Mrd. Euro ansteigen, kalkuliert das SPD-Finanzministerium für den Etat 2006 nur noch mit 20,2 Mrd. Euro für diesen Posten; entweder wird also weiter gekürzt oder die Arbeitslosigkeit müßte drastisch sinken. Aber die Erwerbslosenzahl soll weiter steigen: "Noch 400.000 Arbeitslose mehr", sagt das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Institut voraus.
Mindestlohn-Forderungen von SPD und Linkspartei - eine Lachnummer!
Oskar Lafontaine hat natürlich nur deshalb gegen die "Fremdarbeiter" gewettert, die "deutschen Familienvätern und Frauen" die Arbeit wegnehmen, weil er damit seine Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn untermauern wollte. Wie hoch soll denn dieser unterste Stundenlohn sein? 7 € vielleicht -wie es die Hamburger SPD- fordert, mehr, weniger? Bei einer 35-Std-Woche blieben dabei monatlich etwas mehr als 800 € Nettoverdienst. Was soll jemand damit in einer globalen Metropole wie Hamburg anfangen, welche Wohnung bezahlen, was sich zu essen leisten? Lidl, Aldi, "Geiz ist geil"?
Außerdem haben wir immer gedacht, daß die Gewerkschaften für die Erhöhung der Löhne kämpfen – dazu reicht es bei diesen gelben Trümmerbuden aber schon längst nicht mehr. Sie kriechen vielmehr in jeden Arsch hinein, den ihnen die Arbeitergeber und Kapitalistenverbände mit ihren Erpressungen und Drohungen hinhalten. Jetzt muß ihnen die Regierung auch noch einen gesetzlichen Mindestlohn erkämpfen, wie peinlich!
Wozu also wählen, wenn es doch nichts ändert?
Wozu also noch in ein parlamentarisches System vertrauen und wählen gehen, wenn sich doch nichts ändern wird. "Siegt" die Linkspartei mit 10-15 Prozent, kriegen wir eine große Koalition (Lafontaine nannte es das "kleinere Übel") mit vielen weiteren "Reformen", die unser Leben und unser aller Arbeitsbedingungen noch unerträglicher machen werden. Dagegen können wir uns aber gemeinsam wehren, wenn wir als die "von unten für unten" zusammen kämpfen. In Bolivien, Equador oder der Ukraine haben Massenbewegungen der "einfachen Leute" mehrfach Regierungen gestürzt. In Deutschland übrigens auch schon zweimal, 1918/19 und 1989, schon vergessen? Wir sollen wählen und das Maul halten statt auf dumme Gedanken kommen und in wirklich linken und radikalen Oppositionsbewegungen mitzuarbeiten. Das könnte zu unhaltbar chaotischen Zuständen wie Generalstreiks, Betriebs- und Arbeitsagentur-Besetzungen und zur Verweigerung von Niedriglöhnen und Zwangsarbeit führen. Leider sieht es so aus, als wenn die Mehrheit des arbeitslosen "deutschen Volkes" lieber als 1-€uro-Jobber/in irgendwelche Parks fegt - und damit anderen Kolleg/innen die ohnehin schlecht bezahlten Arbeitsplätze durch so eine entwürdigende Lohndumpingarbeit wegnimmt (ihr kennt alle die vielen Projekte der Hamburger Arbeit – HAB oder der Altonaer Arbeitsförderungsgesellschaft – AFG). Das werktätige "deutsche Volk" nimmt jede Sauerei in den Betrieben hin, feiert ihre hochbezahlten Bosse in den DGB-Einheitsgewerkschaften für jeden beschissenen Kompromiß (Hauptsache, sie sagen, sie hätten Schlimmeres verhütet) – und kuschen weiter. Man kann ja bei den nächsten Wahlen "denen da oben" kräftig in den Arsch treten und – die Nazis wählen, oder eben die neue Linke Volkspartei.PDS ... Wohl bekommt’s!
Vollbeschäftigung? Die dreisteste Lüge!
Aus allen Wahlprogrammen donnert es uns entgegen: "Sozial ist, was Arbeit schafft!" (CSU, FDP). Diese Propaganda ist faschistisch – alle benutzen diese demagogische Parole, um zu versprechen, daß wir alle wieder gut-bezahlte Jobs finden könnten. Einen entscheidenden Punkt haben sie alle verdrängt: damit wäre Adolf Hitler mit seiner NSDAP der sozialste oder sozialistischste Politiker aller Zeiten – sein Drittes Reich hat mit Zwangsarbeit, Massenmord und Konzentrationslagern die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland abgeschafft. Arbeit, um der Arbeit willen, das ist die kapitalistischste Form der Barbarei! "Würde" wird anders buchstabiert als "Arbeit, Arbeit, Arbeit!" (NSDAP 1933 bzw. SPD-Europawahlkampf 1994) – deshalb darf niemand gezwungen werden zu PSA-, ABM- oder 1€-Jobs, denn das sind alles Zwangsarbeitsmaßnahmen, die ihre Wurzeln im nationalsozialistischen Reichsarbeitsdienst haben.
Zu welchen Löhnen & Gehältern versprechen uns die Politiker eine Vollbeschäftigung?
Genug zum Fressen haben – oder gefressen werden!
Bereits Ende September 1995 hat die "Elite der Welt" auf Einladung von Gorbatschow ihren Weg »unterwegs zu einer neuen Zivilisation« erklärt - die 20:80-Gesellschaft wurde im Fairmont-Hotel von San Francisco so definiert:
"Kein Raunen geht durch den Raum, den Anwesenden ist der Ausblick auf bislang ungeahnte Arbeitslosenheere eine Selbstverständlichkeit. (...) Die Zukunft verkürzen die Pragmatiker im Fairmont auf ein Zahlenpaar und einen Begriff: »20 zu 80« und »tittytainment« (...) 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung würden im kommenden Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. (...) Diese 20 Prozent werden damit aktiv am Leben, Verdienen und Konsumieren teilnehmen - egal, in welchem Land. (...) Die Frage sei künftig, »to have lunch or be lunch«, zu essen haben oder gefressen werden. (...) Jedenfalls werden in den Industrieländern schon bald wieder Menschen fast zum Nulltarif die Straßen sauberhalten oder als Haushaltshilfen kärglichen Unterschlupf finden, erwarten die Konzernlenker. (...) Im Fairmont wird eine neue Gesellschaftsordnung skizziert: reiche Länder ohne nennenswerten Mittelstand - und niemand widerspricht. (...) Mit einer Mischung aus betäubender Unterhaltung und ausreichender Ernährung könne die frustrierte Bevölkerung der Welt schon bei Laune gehalten werden (erklärte der ehemalige US-Präsidentenberater von Jimmy Carter, Brzezinski) seine Kombination aus »entertainment« und »tits«." - zitiert aus: 'Die Globalisierungsfalle' von 1996.
Wir Arbeiter/innen und Angestellte sind nur noch "Rationalisierungspotential" für die führenden 500 Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler aus allen Kontinenten, die diese Reise in's 21. Jahrhundert mit George Bush, Margret Thatcher, Michail Gorbatchow und auch Kurt Biedenkopf diskutierten.
Was will die FAU?
Gerecht ist, was soziale Ungleichheit abschafft! Alles andere ist reaktionärer Mist. Wir wollen keine Bürgerversicherung (SPD/Grüne), keine Kopfpauschalen (CDU/CSU) oder die Privatisierung der Bundesagentur für Arbeit (FDP) - wir brauchen Klassensolidarität und Arbeitskämpfe um die Fabriken und Büros, wir wollen nichts Geringeres, als die Übernahme der ganzen Bäckerei, keine Brosamen vom Tisch der Reichen. Wir kämpfen für einen freiheitlichen Sozialismus – wir organisieren uns von unten! Deshalb kämpfen wir nicht als Politiker/innen, sondern als Gewerkschafter/innen in unabhängigen, selbstorganisierten Klassenkampf-Gewerkschaften für unser Recht auf Widerstand, Würde und Gerechtigkeit. Wir wollen, daß die 80 Prozent der Bevölkerung über ihr eigenes Leben bestimmen – nicht die selbsternannte Weltelite der oberen 500!
Versuchen wir’s doch mal mit kämpfen! Wählen verblödet und entmündigt!
Es gibt also genügend Gründe, diesem System die kalte Schulter zu zeigen und sich auf wichtigere Dinge im Leben zu konzentrieren als gerade auf's Wählen. Klassenkampf macht mehr Spaß!
Kommt zur schwarz/roten Nicht-Wähler/innen-Wahlsieg-Party
m 18. September ab 17 Uhr
Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union
Anarchosyndikalistische Gewerkschaft - Ortsgruppe Hamburg
Fettstraße 23 – 20357 Hamburg-Eimsbüttel – "Schwarze Katze" –
Telefon: 040 – 432 21 24 - www.fau.org – www.libertaereszentrum.de
Editorische Anmerkungen
Der Artikel erschien auf den Internetseiten der FAU und wurde gespiegelt von
http://www.fau.org/artikel/art_050728-211717