Marxsche Theorie, Regulationstheorie und das kapitalistische Naturverhältnis
Zusammenhänge kritischer Gesellschaftstheorien und naturdestruktiver Praxen


von Athanasios Karathanassis
09/06

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Bislang dominierende gesellschaftlich-ökonomische Verhältnisse zur Natur sind wesentlich gekennzeichnet durch ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber ökosystemischen Gleichgewichtsverhältnissen, die für eine artenvielfältige Natur zwingend sind, sowie durch Ignoranz gegenüber ökonomisch nachhaltiger Praktiken, die zum langfristigen Bestand entwickelter Zivilisationen erforderlich sind.

Eingriffe des Menschen in die Natur werden zwar in vielfältiger Weise thematisiert. Empirische Evidenzen zur zunehmenden Ressourcenverknappung, zum wachsenden Missbrauch der Natur als Senke vielfältiger Schadstoffe bis hin zu ihrer Zerstörung sowie Umweltkatastrophen sind hierbei sowohl öffentlich in Massenmedien als auch in wissenschaftlichen Diskursen Gegenstand von Auseinandersetzungen. Zumeist bleiben diese aber in naturwissenschaftlich-technischem Kontext, auf subjektiv-moralisierender Ebene, oder in deskriptiv-normativen Betrachtungen verhaftet,[1] so dass das wirkliche Ausmaß und insbesondere die Ursachen o.g. Problematiken in ihren gesellschaftlich-ökonomischen Zusammenhängen nur unzureichend thematisiert werden. Was zumeist fehlt, ist ein kritisch-analytischer Diskurs gesellschaftswissenschaftlicher und naturwissenschaftlicher Zusammenhänge sowie insbesondere Fragen nach den gesellschaftlich-ökonomischen Ursachen eines kapitalistischen Naturverhältnisses, denn zum Verständnis dieses Naturverhältnisses bedarf es nicht nur der Kenntnis von Entwicklungen, Funktionsweisen und Zusammenhängen in Naturprozessen sowie der Beschreibung von Zuständen. Es bedarf zudem einer Kritik spezifisch ökonomischer Gesetze, die in notwendigem Kontext zur Natur stehen, um das Verhältnis Natur-Kapital näher bestimmen zu können.

Im Folgenden werden deshalb sowohl Inhalte der Marxschen Theorie, als auch der darauf aufbauenden Regulationstheorie zur kritischen Analyse kapitalistischer Naturverhältnisse herangezogen. Hierzu werden u.a. die im Marxschen „Kapital“ entfalteten ökonomischen Gesetzmäßigkeiten im Kontext von Naturgesetzen und -prozessen sowie Stoffverbräuchen untersucht, sowie die in der Regulationstheorie thematisierten gesellschaftlich ökonomischen Entwicklungsphasen analysiert. So wird es m.E. möglich, zum wissenschaftlichen und politischen ‚Mainstream’ erweiterte und alternative Sichtweisen und Handlungsansätze zu formulieren.

Zwei Fragen stehen hierbei im Focus:

1. Was in der Marxschen Theorie und der Regulationstheorie dient der Analyse des kapitalistischen Naturverhältnisses und

2. was sind wesentliche Ursachen naturdestruktiver kapitalistischer Praxen?

Ausgehend vom grundlegenden Mensch-Natur Verhältnis über erste entwickelte gesellschaftliche Naturverhältnisse und dem allgemeinen kapitalistischen Naturverhältnis bis hin zum fordistischen Naturverhältnis wird im Folgenden die zunehmende Inanspruchnahme der Natur im Kontext der zuvor genannten Theorien analysiert.

Zur Geschichte der Naturaneignung und –umwandlung bis zum Fordismus

Marx und Engels thematisieren in der Materialistischen Geschichtsauffassung die Fundamentalität des menschlichen Naturverhältnisses als notwendig ökonomisches: Die erste Voraussetzung aller Menschengeschichte ist die Existenz der Menschen überhaupt, welche eine bestimmte körperliche Organisation besitzen, und ein dadurch bestimmtes Verhältnis zu den spezifischen vorgefundenen Naturbedingungen haben. Marx beschreibt dieses Verhältnis von Mensch und Natur folgendermaßen:

"Die Natur ist der unorganische Leib des Menschen, nämlich die Natur, soweit sie nicht selbst menschlicher Körper ist. Der Mensch lebt von der Natur, heißt: Die Natur ist sein Leib, mit dem er in beständigem Prozeß bleiben muß, um nicht zu sterben. Daß das physische und geistige Leben des Menschen mit der Natur zusammenhängt, hat keinen andren Sinn, als daß die Natur mit sich selbst zusammenhängt, denn der Mensch ist ein Teil der Natur." (MEW 40: 515)

Die erste geschichtliche Tat der Menschen ist die Veränderung der Naturgrundlage, die sie vorfinden. Konkret die Erzeugung der Mittel zur Befriedigung der mit den Menschen inhärent vorhandenen Bedürfnisse, wie z.B. Nahrung, Kleidung und Wohnung. Diese materielle Produktion des Lebens ist Grundbedingung aller Menschengeschichte.[2] Im Prozess der Arbeit vermittelt, regelt und kontrolliert der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur.[3] In ökologisch relevante Kategorien übersetzt heißt das:

Der Existenz lebendiger Menschen ist eine Vielfalt von Bedürfnissen inhärent, welche nicht unmittelbar zu befriedigen sind. Das spezifische Verhältnis, in welchem die Menschen zur übrigen Natur stehen, ermöglicht und erfordert nun die Lebensnotwendigkeit für die Menschen, mittels Energieeinsatz Naturdinge bzw. vorgefundene Stoffe menschlichen Bedürfnissen entsprechend umzuformen. In diesen energetischen Stoffumwandlungsprozessen werden Stoffe aus der Natur entnommen und verarbeitet, sowie transportiert, ausgetauscht und letztlich konsumiert. Diese an­thropogenen Natureingriffe bzw. -veränderungen in den Stoff- und Energietransformationsprozessen sind Notwendigkeiten menschlichen Lebens, und bilden in der Produktion, Distribution, im Austausch und in der Konsumtion we­sentliche Komponenten jeder entwickelten Ökonomie.

Bisher fanden drei wesentliche Umbrüche im ökonomischen Naturverhältnis statt:

1. Zur Neolithischen Revolution:

Allgemein unterscheidet sich diese jungsteinzeitliche Periode von vorherigen darin, das die Menschen die äußere Natur nicht mehr nur hinnehmen, wie sie ist, d.h. ihr gegenüber ein überwiegend reaktives bzw. primär passives Verhältnis einnehmen. Sie beginnen, die Natur im gesellschaftlichen Akt aktiv zu gestalten bzw. zu verändern. In Prozessen der Naturtransformation werden hierbei Wissen und Erfahrungen der Menschen verstärkt dazu genutzt, die physischen Reproduktionsbedingungen anthropozentrisch zu gestalten. War bis dahin ‚ökonomisches’ Wirken wesentlich davon geprägt Naturproduktivität konsumtiv anzueignen, wird nun sukzessiv ein kohärentes Verhältnis von Arbeits- und Naturproduktivität hergestellt. Natürliche Prozesse, die bisher einem evolutionären Regelungsprinzip der Biosphäre überlassen blieben, werden nun zunehmend vom Menschen beeinflusst. Die bisherige Abhängigkeit von der äußeren Natur wird so durch und in Prozessen vergesellschafteter Arbeit zunächst in kleinen Schritten reduziert, so dass sich Menschen allmählich zu mitgestalterischen Subjekten des Naturprozesses entwickeln. Die Außenwelt erschließt sich ihnen dadurch nicht mehr nur als Gegebenes, sondern auch als durch sie Veränderbares.

Unter anderem durch das Sesshaftwerden zahlreicher Völker, dem gezielten Einsatz von Feuer, einer produzierenden Art der Nahrungsgewinnung, u.a. durch den steigenden Anbau von Nutzpflanzen und der Vorratshaltung sowie durch die darauf folgende Zähmung und Züchtung einer stets größer werdenden Anzahl von Tieren fand eine zunehmende Kontrolle der unmittel­baren Umwelt statt.[4] Erst das Zusammenkommen von Pflanzenanbau und Tierhaltung charakterisiert das Wesen der neolitischen Phase. Sie konnte sich aufgrund der ökologischen Stabilität dieser Wirtschaftsweise bewähren und entwickeln, da sie „durch Variation des natürlichen Pflanzenangebots und Domestikation der unterschiedlichsten Tierarten weit verbreitet und an die verschiedenen regionalen ... Verhältnisse angepaßt werden konnte.“ (Immler 1990:126)

Da Pflanzenanbau und Tierhaltung unterschiedliche Spezialisierungen und Qualitäten im Arbeitsprozess verlangen, bedarf es der dafür entsprechenden Arbeitsmittel bzw. Werkzeuge. Ihre Herstellung erfordert spezifische Kompetenzen, so dass sich arbeitsteilige Praktiken entwickelten, die dann allmählich berufsmäßiges Handwerkertum hervorbrachten. So kommt es mit der Arbeitsteilung zu gesellschaftlichen Funktionsteilungen, zur Entwicklung des Tausches sowie zur Entstehung erster lokaler Märkte und des Handels.[5]

Zentraler Ausgangspunkt dieser Entwicklung sind die in der Produktion entwickelten neuen Techniken, die z.B. Keramik- und Metallverarbeitung ermöglichten. Hierdurch wurde stärker als zuvor in Naturprozesse eingegriffen und die natureingreifende Arbeit verband sich dabei mit dem -nach Immler- „explosionshaften Anstieg der verschiedensten Techniken, die mit den neuen Materialien Kupfer, Bronze und später Eisen bis dahin ungeahnte (qualitative und quantitative –A.K.) Fortschritte bei der Bearbeitung von Naturstoffen ermöglichten.“ (Immler 1990:123)

Mit den allmählichen Veränderungen der Produktionsverhältnisse zur Natur entfalteten sich entwickeltere Produktivkräfte, die die Produktionsweise revolutionierte, so dass eine Zunahme im Energie- und Stoffver- und gebrauch die logische und historische Konsequenz war. Gegenstand und Resultat der entwickelteren Produktionsweise waren u.a. verbesserte Verfahren der Steinbearbeitung, Haus- und Siedlungsbau mittels Holzkonstruktionen sowie später eine zunehmende Verbreitung der Keramik- und Metallverarbeitung[6].

Zentrale Bedeutung im historischen Verlauf dieser Veränderungen hatte die Kategorie der gesellschaftlichen Arbeit. Sie beschränkte sich nicht mehr auf die konsumtive Aneignung der Natur und ihrer Produkte, sondern entwickelte sich zu einer Kraft produktiver Naturumgestaltung. Durch eine Zunahme der Produktivität und somit einer Zunahme im Ver- und Gebrauch von Energieträgern und Stoffen konnte allmählich über die Subsistenz hinaus ein Mehrprodukt erzeugt werden, das als produktives Mittel wieder ökonomische Anwendung fand.[7] Erste Formen der Akkumulation und der Trennung von Konsumtion und Produktion entstanden. Neue aus der Arbeit und der Reflexion über sie entwickelte Techniken der Naturbeherrschung konkretisierten sich in neuen Werkzeugen[8], die die gesellschaftlich-ökonomische Sphäre des Menschen relativ zur Natursphäre ausdehnten und Naturprozesse zunehmend menschlich steuerten.

Die umbrucherzeugende Qualität der ökonomischen Praxis im Neolithikum entstand demzufolge dadurch, dass die Faktoren, die die expansive Entwicklung limitieren konnten, sei es das Nahrungsangebot oder die verfügbaren Produktionstechniken durch die Entwicklung der gesellschaftlichen Arbeit und der Produktivkräfte beseitigt bzw. kompensiert werden konnten. So konnten sich ökonomische und darauf basierende Entwicklungsprozesse, wie z.B. eine Zunahme der Population, innerhalb sich verändernder Umweltbedingungen erstmals nicht nur entwickeln, sondern auch stabilisieren.

Die mit der Zunahme von Stoffver- und gebräuchen sich entwickelnde Kulturisierung des Menschen führte andererseits zur Vergesellschaftung der Natur und somit zu ersten lokal begrenzten ökosystemrelevanten Natureingriffen. So schrumpfte z.B. -nach Loske- als Folge dieser Entwicklung "in den darauf folgenden Jahrtausenden ... die Waldfläche, die zu Beginn der neolithischen Revolution ca. 6,2 Mrd. ha betrug durch Rodung erheblich." (Loske 1990:33) Signifikante Folgen dieser Entwicklung sind u.a. Bodenerosionen und –versalzungen.[9]

2. Zur Industriellen Revolution (IR):

Ein zweiter fundamentaler ‚Umbruch’ im ökonomischen Naturverhältnis erfolgte erst mit der Industriellen Revolution. Marx und Engels unterteilen diese ökonomische Entwicklungsepoche in drei Phasen.[10]

In der ersten Phase, die etwa im 16.Jahrhundert ihren Ausgangspunkt nahm, erhielt die Manufaktur und so die Produktion durch die Ausdehnung des Verkehrs einen enormen Aufschwung. Dies trat insbesondere mit der Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Ostindien ein. Hierdurch entstand eine allmähliche Ausdehnung der Märkte hin zum ,Weltmarkt’. Die Kolonisation dehnte sich ebenfalls aus, wodurch Manufaktur und Handel weiter wuchsen. Die Folge war eine beschleunigte Akkumulation, wohingegen in den Zünften kein Stimulus zur erweiterten Akkumulation existierte.

Die zweite Phase verorten Marx und Engels beginnend mit der Mitte des 17.Jahrhunderts bis zum Ende des 18.Jahrhunderts. Die weitere Ausdehnung des Handels und der Schifffahrt ließ die Kolonien u.a. als Konsumenten stärken. Das Geldwesen entwickelte sich durch das Ende der Gold- und Silberausfuhrverbote und die Bewegung des Kapitals beschleunigte sich bedeutend. Marx und Engels schränken zwar ein, dass durch „die Zersplitterung des Weltmarktes in einzelne Teile, deren jeder von einer besonderen Nation ausgebeutet wurde, die Unbehülflichkeit der Produktion selbst und das aus den ersten Stufen sich erst entwickelnde Geldwesen ... die Zirkulation sehr aufhielten“ (Marx /Engels 1985:69), aber durch die konzentrierte Entwicklung von Handel und Manufaktur auf England entstand für dieses Land ein für damalige Verhältnisse so bezeichneter „Weltmarkt“, die die Nachfrage und die Produktivkraftentwicklung antrieben. Neben der Expansion der Märkte war diese Phase hauptsächlich durch den Einsatz von Kraft- und Arbeitsmaschinen, insbesondere in der Baumwoll- und Eisenindustrie, begleitet von Neuerungen in der Arbeits- und Betriebsorganisation gekennzeichnet.

Die dritte Phase der Industriellen Revolution schuf die ,große’ Industrie, in der Maschineneinsatz und entwickelte Arbeitsteilung die Konkurrenz universalisierte. Sie stellte zudem „die Kommunikationsmittel und den (im damaligen Verständnis –A.K.) modernen Weltmarkt her, unterwarf sich den Handel, verwandelte alles Kapital in industrielles Kapital und erzeugte damit die rasche Zirkulation ... und Zentralisation der Kapitalien. Sie zwang durch die universelle Konkurrenz alle Individuen zur äußersten Anspannung ihrer Energie“.[11] (Marx / Engels 1985:70)

Die bisherigen Städte entwickelten sich so zu Industriestädten und die Produktivkraft wuchs weiter. So ist insbesondere durch die enorme Entwicklung der Arbeitsteilung und des wissenschaft­lich-techni­schen Fortschritts eine Ausdehnung der ökonomischen Prozesse sowie eine enorme Steigerung der Produktivkraft erzielt worden.[12] Mit dieser Ausdehnung und Steigerung erhöhte sich nicht nur das absolute Ausmaß an Energie- und Stoffnutzungen, sondern auch der Energie- und Stoffdurchlauf je Arbeitszeiteinheit. Stoff- und Energietransformationsprozesse in bis dahin unbekann­ter Vielfalt und Menge entstanden.[13]

Schneider stellt für die Entwicklungen dieser dritten Phase signifikante Beispiele aus England heraus:

„Die wichtigsten Sparten der Textilindustrie (Baumwolle, Wolle, Leinen, Seide)[14] produzierten um 1850 etwa das neunfache von 1770, die Kohleförderung stieg von 1800 bis 1850 von 11 auf 50 Millionen Tonnen, die Roheisenproduktion von 0,25 auf 2,75 Millionen Tonnen. Den Maschinenbau als Industriesparte gab es um 1770 noch nicht, um 1840 existierten in nur elf Städten von Lancashire ... 115 größere Maschinenbaubetriebe mit über 17.000 Arbeitern, und um 1850 zählten zur Berufsgruppe der >>Maschinen- und Kesselbauer<< über 60.000 Arbeiter.“ (Schneider 1983:195)

Ein exponentielles Anwachsen ökonomischer Prozesse, insbesondere im industriellen Sektor und im Verkehrssektor sowie die damit verbun­dene allgemeine Steigerung der Energie- und Ressourcenverbrauche sind demnach evident.[15] Wachsende Stoff- und Energietransformationsprozesse in immensem Ausmaß waren die Folge. Die Natur wurde somit in bisher ungeahntem Ausmaß ökonomisch ge- und verbraucht und Umweltschäden nahmen auf einer Vielzahl von Ebenen, z.B. durch die Verschmutzung von Flüssen und der Luft, erheblich zu.

3. Zum Fordismus:[16]

Ausgehend von den USA im beginnenden 20.Jahrhundert kam es zu einer enormen Entwicklung der Produktivkräfte. Diese sich branchenmäßig ausbreitende neue Produktivkraft beruhte wesentlich "auf einer weitgehenden Präzisierung und Standardisierung der Produktkomponenten, der >>wissenschaftlichen<< Zerlegung des Arbeitsprozesses, der Anwendung neuer Transfersysteme, einer extremen Vertiefung der Arbeitsteilung und der weitgehenden Dequalifizierung der Produktionsarbeiter zugun­sten des Managements." (Hirsch; Roth 1986:50) Hierdurch konnten beachtliche Zeiteinsparungen insbesondere beim Transport der Arbeitsgegenstände zwischen den Arbeitsschritten erreicht werden. Der Arbeitsprozess verwandelte sich so von einem durch Wechsel der Teiloperationen ständig unterbrochenen in einen kontinuierlich fließen­den. Diese auf Taylor beruhenden Veränderungen des Produktionsprozesses[17] der nun entstehenden halbautomati­schen Fließbandtechniken modifizierte die Fabriken u.a. dahingehend, "... daß sie den Stahl schnell und ohne Überbeanspruchung der Maschinen bear­beiten konnten ...." (Temin zit. n. Altvater 1992b:70).

Mit dem Wachsen der Produktivkraft bzw. mit den nun beschleunigten Umwandlungssystemen von Stoffen wuchs dementsprechend der Bedarf nach naturstofflichen bzw. fossilen Energieträgern und nach einer Vielzahl anderer Stoffe. Massenproduktion wurde zur dominanten Produktion und gepaart mit dem nun durch relativ hohe Löhne ermöglichten Massenkonsum wuchs der ökonomische Zugriff auf Naturressourcen in bis dahin unbekanntem Ausmaß.

Die Aneignung der Natur und die Umwandlung von Naturstoffen entwickelten sich seit dem zu einem kontinuierlichen Prozess des Naturraubbaus und der Naturzerstörung. 

Der Fordismus leitete so eine neue Dimension im Verhältnis Mensch-Natur seit der Industriellen Revolution ein und manifestierte sich als weiterer entscheidender Umbruch in der Kulturgeschichte der Menschheit.[18]

Die Dimension der Veränderungen im ökonomischen Naturverhältnis seit der IR und insbesondere seit dem Fordismus wird im Wachstum der Industrie, in der Zunahme des Verkehrs sowie der Zunahme des Konsums ersichtlich. Der damit verbun­dene Energie- und Ressourcenverbrauch wuchs in allen ökonomischen Sektoren z.T. exponentiell.[19] Vergegenwärtigt man sich, dass die Industrieproduktion weltweit seit 1900 um mehr als das Fünfzigfache gestiegen ist, wobei vier Fünftel dieser Steigerung von 1950-1990 erzielt wurden, werden die Wachstumsausmaße dieser ökonomischen Prozesse evident.[20] Die Länder der OECD und die NIC´s verei­nen hierbei einen Anteil von fast 60% der glo­balen Industrieproduktion auf sich (Grienig 1995).

Ökonomische Prozesse der Produktion, des Austausches, sowie der Konsumtion haben also seit der Industriellen Revolution in der Industrie, im motorisier­ten Verkehr, sowie im “privaten“ Endverbrauch in rapider Weise z.T. exponentiell zuge­nommen, wobei einige Bereiche seit ca. 50 Jahren besonders stark an­gewachsen sind. Insbesondere der Anteil der Länder, in denen kapitalisti­sche Ökonomien moderner Prägung vorherrschen bzw. der Anteil der Kernökonomien ist dabei erheblich.

Zusammenhänge naturgesetzlicher und ökonomischer Prozesse
- Wachstum und Naturzerstörung -

Die Zusammenhänge von Naturveränderungen bzw. ökologischen Prozessen und stofflich-ökonomischen Prozesse wird durch das Phänomen der Entropie bzw. der thermo­dy­namischen Gesetze verständlich, weswegen im Folgenden der Zusammenhang von ökonomischen und entropischen Prozessen hergestellt wird.

Prozesse in den Natursphären und Ökosystemen sowie der Erd- und Naturentwicklungen sind notwendig an Naturgesetze von Energie- und Stoffflüssen rückgebunden. Sowohl für die Bildung und Veränderung anorganischer Materie, als auch für die Entstehung und Entwicklung von organischer Materie sind Energie- und Stoffflüsse notwendige Bedingungen. Lebewesen benötigen hierbei nutzbare bzw. verfügbare Ener­gie, die dann in einem Prozess der Transformation in nicht mehr nutzbare übergeht. Dieser Transformationsprozess wird als Entropie bezeichnet[21] und ist wesentlicher Teil des Entropiegesetzes.[22]

Der Entropiebegriff bzw. der Kern des Entropiegesetzes wird mit unterschiedlichen Schwerpunkten definiert. Einer liegt -ebenso wie beim Syntropiebegriff- in der Unterscheidung von Ordnungszuständen. Hohe Entropie bedeutet hierbei einen geringen Ordnungsgrad, wie er z.B. bei den Molekülen eines Gases vorliegt. Systeme mit niedriger Entropie besitzen einen hohen Ordnungsgrad, wie z.B. Kristalle oder Lebewesen. Ordnung kann, wie bei Lebewesen oder Lagerstätten von anorganischer Materie ‚von Natur aus’ vorhanden sein, aber auch anthropogen herbeigeführt werden, wie z.B. in Form von getrennt gelagerten Holzstämmen oder gestapelten Autoreifen.

Ein anderer Schwerpunkt stellt den Unterschied zwischen nutzbarer und nicht nutzbarer bzw. verfügbarer und nicht verfügbarer Energie heraus.

„Entropie nennt der Physiker die nicht mehr nutzbare Energie in Form von Niedertemperaturwärme, dem Endprodukt aller Energieumwandlungen.“(Schütze 1995:22)

Nutzbare Energie ist aber nur dann zu gebrauchen, wenn sie auch verfügbar ist. Georgescu-Roegen betont diese Unterscheidung in verfügbare und nicht verfügbare Energie. Entropie ist nach Georgescu-Roegen als „Index für den Betrag verfügbarer Energie im Verhältnis zur absoluten Temperatur des entsprechenden geschlossenen Systems ...“ zu betrachten. (Georgescu-Roegen 1987:5)

Wenn also Lebewesen zu ihrem Fortbestand bzw. zum Wachstum Stoffe benötigen und diese mittels Energieeinsatz nutzen, so lässt sich dieses auch als Prozess bezeichnen, in dem verfügbare Energie abnimmt, die Entropie ansteigt und somit Ordnung abnimmt. Lebendige Organismen brauchen demnach nicht nur Energie und Materie, sondern auch niedrige Entropie, die sie von Energie und Materie mit niedriger Entropie abziehen und in hohe Entropie umwandeln. Dieser ununterbrochene Fluss der niedrigen Entropie erhält und ermöglicht das Leben und ist wesentliche Bedingung aller Aktivitäten der Organismen.

Ein Ausgangspunkt zum Verständnis entropischer Prozesse ist die an­thropomorphe, d.h. die auf den Menschen bezogene Unterscheidung zwischen verfügbarer und nicht verfüg­barer Energie. Der Gehalt an Energie bleibt dabei in einem geschlossenen System konstant (erster Hauptsatz der Thermodynamik), während die verfügbare Energie stän­dig und irreversibel in nicht mehr verfügbare übergeht (zweiter Hauptsatz der Thermodynamik) (Georgescu-Roegen 1987). Dieses physikalische Gesetz gilt nun ebenso für die Materie, da es eine elementare Tatsache ist, dass Materie genau wie Energie ebenso in für Menschen ver­fügbaren und nichtverfügbaren Zuständen exi­stiert, und die Verfügbarkeit ebenso wie bei Energie ständig und unum­kehrbar bei der Umwandlung von einen in den anderen Zustand ab­nimmt (Georgescu-Roegen 1987).

Bei der Übertragung der thermodynamischen Prozesse auf die globalen ökono­mi­schen Prozesse lässt sich konstatieren, dass erstens zwar die genutzten Energie- und Stoffressourcen von diesem Planeten auch auf diesem er­halten bleiben, durch ihre Nutzung wird aber zweitens ihre "Qualität im Sinne der Fähigkeit ... Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen vermin­dert, d.h. die Entropie steigt unweiger­lich an." (Altvater 1992a: 255).

Ökonomische Prozesse der Stoffumwandlung benötigen also einen konti­nuierlichen Nachschub an verfügbarer Materie. "Der springende Punkt dabei ist, daß sowohl verfügbare Energie als auch verfügbare Materie unwiderruflich in nicht mehr ver­fügbare Zustände umgesetzt werden." (Georgescu-Roegen 1987: 9). Hierbei bleibt zwar alles erhalten, ist aber nach dem ökonomischen Prozess in anderer Qualität existent. "...In the end there is a difference between what goes into the economic process and what comes out of it. To be sure, this difference can only be qualitative." (Georgescu-Roegen 1971: 38f.).

Aus den massenhaft ökonomischen Prozessen erfolgt also durch die damit verbundenen irreversiblen Transformationsprozesse ein Fortbestehen von Energien und Stoffen in nun nicht mehr verfüg­barer Form und in anderen Qualitäten. Eine Folge ist Knappheit. Aber nicht nur diese Knappheit der verfügbaren Energien und Stoffe, auch der Erhalt dieser umgewandelten Materie und Energien in nun veränderten Qualitäten hat für Mensch und Natur erhebliche Relevanz.

In diesem Prozess der Umwandlung, werden der natürlichen Umwelt in en­ergetischen Prozessen Stoffe entzogen und anschließend in verän­derter Form wieder zugeführt. Die Natur wird also zuerst als Quelle und dann als Senke benutzt, was in seiner Konsequenz ein effektiver Natureingriff in Ökosysteme ist.

Die Gesamtheit und Spezifik von Zusammenhängen und Prozessen, die Ökosysteme ausmachen sind z.Zt. noch unbekannt. Allgemein lassen sich diese u.a. durch ihre vielfältigen, komplexen und weit reichenden wechselsei­tigen Beziehungen von und zwischen den Pflanzen, Tieren und der sonstigen na­türlichen Umwelt charakterisieren, wodurch ein komplexes Gefüge von Regulationszusammenhängen mit eine Fülle von Abhängigkeiten und ei­nem engmaschigen Wirkungsnetz existiert. Evident ist hierbei, dass ein wesentlicher Bestimmungsfaktor von Ökosystemen der ist, dass in ihnen -unabhängig von ihrer Größe- ein Fließgleichgewicht herrscht. D.h. es muss die Kontinuität eines Gleichgewichts durch ständige Veränderungen in den Zu- und Abflüssen herrschen, um Natur bzw. Leben zu ermögli­chen.

Steigt die Entropie soweit, dass ein gewisser Schwellenwert überschritten wird, entsteht nicht nur ein Mangel an Naturstoffen, sondern zudem kann eine Störung des Ökosystems bis hin zur Naturzerstörung durch ein Zuviel an qualitativ veränderten Stoffen folgen. Das Fließgleichgewicht ist dann gestört, wofür zweierlei verantwortlich ist: Einerseits erfolgt diese Ökosystemstörung durch eine zu starke Entnahme von Stoffen aus der Natur, andererseits erfolgt diese dadurch, dass neben den gewollten Gebrauchswerten durch die massenhaften ökonomischen Umwandlungsprozesse eine Vielzahl von qualitativ veränderten Stoffen produziert werden, die dann ab einer bestimmten Menge und einer bestimmten Qualität in bestimmter Zeit und in bestimmten natürlichen Räumen, d.h. also in regionale Ökosysteme und z.T. ins globale Ökosystem als nichtrückverwandelbare Schadstoffe in die Natur einwirken[23].

Moderne ökonomische Prozesse erfordern also massenhaft Energien und Stoffe, die zum einen verknappen, und zum anderen in veränderten Qualitäten Schadstoffwirkung entfalten, woraus eine Fülle von Folgen für Menschen und die übrige Natur entstehen.

Stoff- und Energietransformationsprozesse sowie -verbräuche wuchsen in ökologisch relevanten Ausmaßen nicht nur regional begrenzt, was entsprechende Wirkung auf die Natur hat. So wird z.B. das Ausmaß der Steigerung der Energieverbräuche bei Betrachtung eines längeren Zeitraums besonders klar. Der Gesamtenergieverbrauch soll -Schätzungen zu Folge- von den Anfängen der Menschheit bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts zwischen sechs und neun Q gelegen habe (Loske 1990), wobei ein Q 38 Mrd. Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE) entspricht. Von Mitte des 19.Jahrhunderts bis zur Mitte des 20.Jahrhunderts wird von einem Verbrauch von ca. vier Q ausgegangen, was somit etwa 50% des ge­samten Energieverbrauchs der Menschheit bis 1850 entspricht (Loske 1990). Im letzten Quartal des 20. Jahrhunderts werden so weitere neun Q ver­braucht, was dem gesamten menschlichen Energieverbrauch bis 1850 entspricht (Loske 1990). Der Energiedurchsatz der Menschheit, d.h. die einge­setzte und auch verbrauchte Energie ist allein von 1860-1985 um das 60fache gestiegen (Meadows; Meadows; Randers 1992). "Der globale Energieverbrauch kletterte unentwegt, nicht gleichmäßig, aber unauf­haltsam trotz Kriegen, Rezessionen ... und technischem Wandel. Den größten Teil der Energie beanspruchen die Industrieländer. Der Europäer verbraucht durchschnittlich 10-30mal mehr kommerziell ge­lieferte Energie als der Bewohner eines Landes der Dritten Welt. Die Nordamerikaner bringen es gar auf das 40fache." (Meadows; Meadows; Randers 1992: 94).

Die Staaten der OECD sowie die NIC´s, also der schon etablierten und sich gerade etablierenden kapitalistischen Ökonomien moderner Prägung hatten hierbei 1993 einen Anteil am Weltenergieverbrauch von 52% (Grienig 1995).

Eine bedeutende Folge des Ausmaßes dieser Ressourcenentnahmen ist -neben dem schon genannten Mangel- eine Überanspruchung des natürlichen Reproduktionszyklusses. Hierdurch wuchs das Ausmaß der Naturzerstörungen u.a. durch Abluft, Abwasser und Abfall erstmals zu einer globalen Bedrohung heran, wobei sich ein nahezu paralleler Verlauf des Anstiegs der ökonomischen Transformationsprozesse und der Steigerung der Schadstoffausstoßmengen feststellen lässt.[24]

Das seit der Industriellen Revolution bestehende enorme Wachstum ökonomischer Prozesse und die damit verbundene vielfältige Zunahme von naturzerstörenden Emissionen zeigen evident, dass Wachstum mit Naturzerstörung einhergeht.[25] 

Je mehr Energien und Materialien in Waren umgewandelt werden, desto größer wird sowohl der Mangel in der Natur, als auch der Schadstoffausstoß. Kapitalistische Ökonomien lassen sich demnach als Zentrum von Wachstum und als Ausgangspunkt globaler Naturzerstörung verorten.

Marxsche Theorie und die Naturfrage
- Allgemeine ökonomische Gesetzmäßigkeiten und ihre ökologischen Konsequenzen -

Ist nun zwar bestimmt, dass kapitalistische Ökonomien naturzerstörerisch sind, bleibt es jedoch offen, ob es Spezifika bzw. immanente Formen, Strukturen und Inhalte dieser Ökonomie gibt, die notwendig zur Naturzerstörung im zuvor dargestellten Ausmaß führen. Was in der kapitalistischen Ökonomie führt zu dieser Dimension der Naturzerstörung, bzw. warum existiert diese Naturbeanspruchung durch die kapitalistischen Ökonomien?

Zur Beantwortung müssen Inhalte, Strukturen und Formen dieser Ökonomie herauskristallisiert werden, welche notwendig im Kontext zur Natur stehen. D.h., dass zu den bisherigen physisch-stofflichen sowie physikalisch-thermodynamischen Kategorien (Massarrat 1993) die hiermit zusammenhängende wertmäßig-ökonomi­sche Komponente des ökonomischen Naturverhältnisses Gegenstand der Analyse sein muss, da nur der Verbund dieser drei Komponenten den realen ökonomischen Naturverhältnissen entspricht.

Um das ökologisch relevante Wesen des Kapitalismus zu erkennen, be­darf es der Analyse ökonomischer Kategorien, die im wesentlichen Zusammenhang zu der von dieser Ökonomie ausgehenden Wachstumsdynamik stehen.[26] Eine hierfür zentrale Kategorie ist die des Mehrwerts, weswegen sie im Folgenden der Entfaltung bedarf. Sie erschließt sich allerdings nicht unmittelbar.

Ausgangspunkt der Analyse ist deswegen die (den Mehrwert notwendig voraussetzende) Kategorie der Ware in ihrer naturrelevanten Einheit von Gebrauchswert und Wert. Zur weiteren Entwicklung bzw. Entfaltung des Warenverhältnisses ist die zur Mehrwertbildung erforderliche bzw. bedingende Zirkulation Gegenstand. Denn der Zirkulationsprozess -ebenso wie der Produktionsprozess des Mehrwertes, welcher anschließend Gegenstand der Auseinandersetzung ist- sind wesent­lich für das kapitalistische Naturverhältnis. Auf Grundlage dieser entwickelten Kategorien wird anschließend die Produktivkraftentwicklung als ökologisch relevante Methode der Mehrwertsteigerung analysiert. Wesentliche ökonomische Kategorien können so im kapitalistischen Naturzusammenhang verortet werden.

Der ökonomisch-ökologische Zusammenhang wird also über die Entfaltung des Werts in seiner Verbundenheit mit dem Gebrauchswert (GW) hergestellt. Deswegen bietet insbesondere die Marxsche Ökonomieanalyse im "Kapital", in der die Doppelhaftigkeit des wertmäßigen und des stofflichen in der Ware, in der Arbeit, und dann im Verlauf der Analyse auch im Produktionsprozess Gegenstand ist, aber auch die im "Kapital" enthaltene Stringenz der systematischen Mehrwertentwicklung es an, analog zu dieser inhaltlichen und strukturellen Systematik wesentliche kapitalistische Ursachen der Naturzerstörung herauszuarbeiten bzw. kapitalistische Naturverhältnisse zu entfalten. Der Ansatz dieser ökologischen Kritik an kapitalistischer Ökonomie erfolgt hier also dadurch, dass die Wert- und somit auch die Geldseite gesellschaftlich-ökonomischer Prozesse als energetischer und materieller Transformationsprozess von Natur analysiert wird. "Auf diese Weise ... (ist -d.Verf.) es möglich, `Schnittstellen´ zwischen der ökonomischen Analyse und thermodynamischen Untersuchungen ökologischer Prozesse zu formulieren." (Altvater 1992: 43).

Als Gebrauchswert soll die Ware als umgeformter Naturstoff Bedürfnisse befriedigen und „zählt“ wesentlich als etwas, was sich qualitativ von anderen Gebrauchswerten unterscheidet. Die auf Austausch der Waren basierende kapitalistische Ökonomie er­fordert aber, dass die zu tauschenden qualitativ verschiedenen Gebrauchswerte eine Grundlage haben, die diesen Tausch ermöglichen. Diese Grundlage ist eine qualitativ gleiche, um eine Vergleichbarkeit der Waren zu ermöglichen, damit sie in quantita­tiv gleichen Verhältnissen stehen können. Das, was dieses ermöglich, ist der Wert, dessen Substanz in allen Waren gleich, die gesellschaftlich durchschnittliche abstrakt menschliche, d.h. qualitativ gleiche Arbeit ist. Hierbei muss zur Bildung der unterschiedslosen Wertsubstanz von der inhaltlichen Verschiedenheit der Arbeit selbst abstrahiert werden. Die Ware existiert so als konkret stoffliche und abstrakt wertmäßige Einheit.

Die Äquivalentbeziehungen der Waren erfordern eine qualitative Nivellierung durch die Abstraktion von der konkreten Arbeit. Etwas rein gesellschaftlichen wird so zur Basis kapitalistischer Tauschverhältnisse, die zugleich stoffliche sind. Immler und Schmied-Kowarzik pointieren das folgendermaßen:

"Mit der Setzung der abstrakten Arbeit als Fundament kapitalistischer Wertökonomie wird uno actu die Abstraktion von der Natur vollzogen." (Immler/Schmied-Kowarzik 1984: 120).

Durch die Gleichheit der Wertsubstanz in den verschiedenen Waren treffen also in quantitativ gleichen gesellschaftlichen Verhältnissen (Wertverhältnisse gleicher Wertgröße) verschiedene natürliche Qualitäten aufeinander. Reale Äquivalenzverhältnisse erfordern zum Tausch Wertgegenständlichkeit, d.h. neben der Abstraktion von den konkreten verschiedenen Arbeiten muss auf der Wertebene ein stoffliches Verhältnis von Waren existieren. Die Verbindung von Wert und Stoff ist so der Ökonomie der Waren- und Geldzirkulation inhärent.

Da nun der gesamte stoffliche Reichtum dem Geld gegenübersteht, ist Geld qualitativ schrankenlos, d.h. allgemein umsetzbares Äquivalent. Bezüglich der Wertgröße ist Geld aber quantitativ beschränkt. Die besondere Eigenschaft des Geldes, die in ihm angelegte Schrankenlosigkeit des Reichtums, macht den Repräsentanten des stofflichen Reichtums attraktiver als die besonderen stofflichen Reichtümer. Aus der Widersprüchlichkeit zwischen den nahezu qualitativ unendlichen Möglichkeiten des Geldes und seiner prak­tisch quantitativen Begrenztheit folgt das grenzenlose Bestreben nach unendlicher Geldvermehrung, d.h. soviel “inkarnierten“ Reichtum wie möglich zu besitzen. Es macht so Sinn, Geld un­aufhörlich vermehren zu wollen, weil in es in jede Ware umsetzbar ist und allgemeinen Reichtum darstellt. 

Der Widerspruch zwischen Qualität und Quantität erhält so seine Bewegungsform. Im entwickelten Austauschprozess von Geld gegen Geld mittels Ware wird prozessierendes Geld seiner Bestimmung nach Kapital.

"Aus bloßer Vermittlung des Stoffwechsels wird dieser Formwechsel zum Selbstzweck." (MEW 23: 144). "Die Zirkulation wird zur gesellschaftlichen Retorte, worin alles hineinfliegt, um als Geldkristall wieder herauszukommen." (MEW 23: 145).

Der Sinn der Kapitalzirkulation besteht in der quantitativen Verschiedenheit der Wertgrößen, so dass die Geldvermehrung Inhalt der Bewegung geworden ist. Der Entzug von mehr Geld aus der Zirkulation, als anfangs in sie hin­eingeworfen wurde, ist treibendes Motiv entwickelter kapitalisti­scher Ökonomien. Daly formuliert das treffend:

"One dollar of exchange value is not as good as two, and fifty dollars is better still, and a million is much better ...."[27] (Daly 1991: 186).

Die formale Darstellung dieser Kapitalbewegung lautet nun Geld-Ware- mehr Geld (G-W-G`), wo­bei G` die Summe aus dem an­fänglich in die Zirkulation geworfenem Geld plus dem Zuwachs an Geld ist, welches als DG den Mehrwert be­schreibt. Der ursprünglich vor­geschossene Wert erhält sich also nicht nur in der Zirkulation, sondern verändert seine Wertgröße bzw. setzt Mehrwert zu. Die Bewegung ver­wandelt so Geld in Kapital. Bei diesem Prozess sind demnach Anfang und Ende qualitativ gleich aber quantitativ verschieden. Das hierbei vorherr­schende Bedürfnis ist es, die Beschränktheit des Tauschwertes durch seine kontinuier­liche quantitative Ausdehnung zu reduzieren. Die Unerreichbarkeit eines quantitativen Endpunkts macht diese Bewegung zur unendlichen.

"Die Zirkulation des Geldes als Kapital ist daher Selbstzweck. Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos." (MEW 23: 167). Das Fortschreiten dieses Prozesses ist so ein sich selbst bedingender Prozess der Kapitalakkumulation. Ein erster Widerspruch zwischen Naturkategorien und Kapitalkategorien ist demnach fixiert:

Der gesellschaftliche Prozess der Kapitalzirkulation bedingt qualitative Gleichheit und quantitative Verschiedenheit. In der Natur ist es umgekehrt: Der natürliche Prozess der Entropie ist durch qualitative Verschiedenheit und quantitative Gleichheit bestimmt! Beide Prozesse bilden eine Einheit.

Hierin liegt eine naturrelevante Komponente, denn die Wertgestalt -wie in der Entwicklung des Äquivalenzverhältnisses im „Kapital“ evi­dent wurde- benötigt immer eine stoffliche Entsprechung, da es allgemeines Äquivalent von etwas besonderem ist und ohne diese mannigfachen be­sonderen Waren nicht zirkulieren kann, also nicht seiner Bestimmung der kontinuierlichen Vermehrung nachkommen kann. Die stoffliche Entsprechung zum quantitativ unendlichen Prozess der Vermehrung des Wertes in der Zirkulation darf also in der immanenten Logik der Kapitalzirkulation notwendigerweise nicht endlich bzw. begrenzt sein, was zwin­gend dazu führen muss, in den stofflichen be­sonderen Waren eine Entsprechung zur quantitativ unbegrenzten Zielsetzung der Wertvermehrung bzw. der Mehrwertbildung zu finden. Die quantitative Maßlosigkeit der Kapitalvermehrung bedarf also eines entsprechenden unbegrenzten Zugangs zu (natürlichen) Stoffen. Die Verfügbarkeit von Stoffen ist allerdings ebenso objektiv begrenzt, wie die schadstoffliche Belastbarkeit der Natur. Dem Primat der Kapitalmaximierung folgend muss die ökosystemische Belastbarkeitsgrenze demnach irgend­wann notwendig überschritten werden. denn "the circular flow of exchange is coupled with a physical flow of matter-energy that is not circular." (Daly 1991: 196).

Das qualitative Wesen der Natur wird so ignoriert; die objektiv gegebene Endlichkeit der Natur muss in Widerspruch zur im Zirkulationsprozess angelegten Unendlichkeit treten, da der nach grenzenlosem Wachstum strebende Wert, der not­wendig an Gebrauchswerte gekoppelt ist, auch notwendig an begrenzter stofflicher Natur gekoppelt ist.[28]  

Demnach ist eine erste den Gesetzen des Kapitals imma­nente Ursache der kapitalistischen Naturzerstörung bestimmt.

Natürliche Grenzen werden so gebrochen bzw. der immanenten Logik der Akkumulation des Kapitals un­terworfen, da ökonomische Strukturen existieren, in der die Entfaltung des Werts in einer rastlosen Zirkulation von Kapital, in endlosem Wachstum von Stoff- und Energietransformationsprozessen und Naturverbräuchen mün­det. 

Durch den im Zirkulationsprozess prozessierenden Wert bzw. durch das Kapital wird also die zuvor beschrie­bene und sich entfaltende Verbindung von Wert und Stoff in fataler Weise, ab einem bestimmten Ausmaß ökonomischen Wachstums und einer Schwelle natürlicher Regenerationsfähigkeit bzw. Absorptionsfähigkeit von Schadstoffen, naturzerstörerisch.

Erschien in den Anfangsstadien der kapitalistisch-industriellen Entwicklung dieses noch als praktisch relativ unbedeutend, entwickelt sich mit dem ökonomischen Wachstum diese naturzerstörerische Relevanz -was in der folgenden Auseinandersetzung mit dem Fordismus noch deutlicher wird- je stärker der grenzenlose Drang zur Wertproduktion auf physisch-naturale Schranken stößt und mit ihnen kollidiert. Der „Verwirklichungsdrang“ der inneren Gesetzmäßigkeiten des Kapitals setzt sich zunehmend in der historischen Praxis durch; Zusammenhänge Marxscher Theorie und kapitalistischer Naturverhältnisse werden so evident.

In der Zirkulation findet die Ware-Geld Bewegung unter Wahrung des Äquivalententausches statt. Demzufolge kann Kapital "… nicht aus der Zirkulation entspringen, und es kann ebenso­ wenig aus der Zirkulation nicht entspringen. Es muss zugleich in ihr und nicht in ihr entspringen" (MEW 23: 180). D.h. nicht die Zirkulation an sich schafft Mehrwert. Nur mit der Verwertung im Produktionsprozess und der damit einhergehenden ökologisch relevanten Umwandlung von Stoffen und Energien kann Mehrwert entstehen. Die warenförmigen Stoffe müssen sich zur Mehrwertverwirklichung in der Zirkulation um­wandeln und müssen zur Mehrwertproduktion in einem Prozess der Produktion hergestellt werden. Die Zirkulation realisiert also den Mehrwert, wohingegen er in der Produktionssphäre erzeugt wird.

Warum hat die Mehrwertbildung in der Produktion einen naturrelevanten Effekt und welche Methoden der Mehrwertsteigerung haben einen Effekt auf die Natur?

Entsprechend der Zirkulation muss der Produktionsprozess auf Expansion angelegt sein, was durch die in ihm ebenso vorhandene Doppelhaftigkeit des Stofflichen und des Wertmäßigen im Arbeits- und Verwertungsprozess ermöglicht wird. Unter den Bedingungen einer kapitalistischen Ökonomie werden in diesem Produktionsprozess nicht nur Gebrauchswerte produziert, son­dern auch Tauschwerte, womit er -entsprechend der Zielsetzung des Zirkulationsprozesses- primär zum Verwertungsprozess avancieren muss. Die Wertsumme der produzierten Waren, muss in ihm höher sein, als die zu ihrer Produktion benötigten Waren der Produktionsmittel und der Arbeitskraft, für die die KapitalistInnen Geld vorschossen, denn nicht Gebrauchswert und Wert, sondern Mehrwert bzw. Profit ist das primäre Ziel des kapitalistischen Produktionsprozesses.

Durch diese Zielsetzung wird die Gebrauchswertbildung unter den Gesetzen der Kapitalverwertung ver­richtet. Gebrauchswertproduktion findet also unter dem Primat der Verwertung statt. 

Das mit dem Prozess der Verwertung verbundene Einverleiben der le­bendigen Arbeitskraft in die Stofflichkeit vollzieht sich hierbei als naturzerstörerischer Prozess, denn die nach Zweck und Inhalt bestimmte qualitative Bewegung des Arbeitsprozesses, stellt sich im Verwertungsprozess (entsprechend des Zieles der Bildung von Mehrwert) nach seiner quantitativ endlosen Seite dar. Die in diesem Prozess massenhaft eingehenden Stoffe gelten hierbei entsprechend der immanenten Verwertungslogik primär als qualitäts­lose Mengen, die es zu vermehren gilt und nicht als funktionell be­stimmte stoffliche Träger von Gebrauchswerten. Das Ziel der kontinuier­lichen Verwertung erfordert also dementsprechend kontinuierliche Stoffumwandlung, d.h. das Endlosziel Mehrprodukt quantitativ zu erhöhen erfordert eine endlose Umwandlung von Qualitäten bzw. Stoffen.

Die endlichen Stoffmengen bzw. Gebrauchswerte und somit auch die Endlichkeit der Stofftransformationsprozesse stehen also im Widerspruch zur Unendlichkeitszielsetzung des sich verwertenden Werts. Natürliche Grenzen der realen Stofftransformationsprozesse widersprechen so den Prozessen der Kapitalmaximierung.[29]

Die naturzerstörerische Umwandlung von Stoffen und Energien findet also in der Produktion wirklich statt, weil Arbeits- und Verwertungsprozess, d.h. Stoffumwandlung und Mehrwertbildung ein und derselbe Produktionsprozess sind, also ebenso zusammengehören, wie die in der Zirkulation sich bewegenden Gebrauchswerte und Werte in den Waren.

Der Zusammenhang von Mehrwertrealisierung und -bildung einerseits sowie Naturzerstörung andererseits wird so zu einer wesentlichen Komponente im kapitalistischen Naturverhältnis.

Wie vollzieht sich nun der naturrelevante Zusammenhang von Gebrauchswert und Wert im kapitalistischen Produktionsprozess?

Wert muss immer in einem Gebrauchswert existieren, wobei er im Produktionsprozess von einem zum anderen Gebrauchswert übertragen wird, d.h. dass Arbeitsmittel und auch Arbeitsgegenstände soweit an die­sen schon Arbeit verausgabt wurde, ihren Gebrauchswertcharakter in ihrer bisherigen stofflichen Gestalt früher oder später verlieren und der alte Tauschwert dann auf den neu produzierten Gebrauchswert „übertragen“ wird. Erhalten die Werte sich so kontinuierlich, verschwinden ihre stofflichen Träger -z.B. die Kohle zum Heizen- aus dem Produktionsprozess oder verändern ihre Gestalt -z.B. das Metall und die Kunststoffe in einem Automobil, oder in Form von unbrauchbar gewordenen Maschinen.

Die entropiebedingt weiterhin nun in anderen Qualitäten existenten Stoffe verlieren zwar als Abfall oder Abluft ihre wertökonomische Relevanz, gewinnen aber ihre ökologische in der Zerstörung der Natur. Gleichzeitig müssen neue ökonomisch brauchbare Stoffe zum Werterhalt und somit auch zur Mehrwertbildung herhalten, denen später -ob als weiteres Produktionsmittel oder in der “individuellen“ Konsumtion- die gleiche ökologisch relevante Qualitätsveränderung ereilt.

Im Verwertungsprozess ist das Ziel der Mehrwert, so dass der damit verbundene Anstieg an Stoffen immer größer wird, was heißt, dass der am Ende des Produktionsprozesses pro­duzierte Mehrwert auch immer ein Mehr an verbrauchten und umge­wandelten Stoffen bedeutet. Hierdurch wird die Naturbeanspruchung als Quelle und Senke mit den Folgen des Mangels an Ressourcen und der Zerstörung von Natur dauerhaft fortgesetzt.

Kapitalistische Produktion wird so aufgrund ihres Doppelcharakters von Stofflichem und Wertmäßigem ebenso wie die Zirkulation zur naturzer­störerischen Kategorie, da aus dem in beiden Sphären -der Produktions- und der Zirkulationssphäre- dominante Wert das schrankenlose Bedürfnis nach Mehrproduktion entspringt.[30]

Die naturvernutzende und -zerstörerische Potenz des Produktionsprozesses wurzelt also nicht im durch Arbeit vermittelten Verhältnis von Mensch und Natur, indem Gebrauchswerte produziert werden. Sondern der den eigentlichen Arbeitsprozess überlagernde Verwertungsprozess mit seiner Primärfunktion der Mehrwert- und der damit notwendigen Mehrmassenproduktion ist die Komponente, die diesen kapitalistischen Produktionsprozess zu einer weiteren Ursache der Naturzerstörung macht.

Das primäre Ziel jeder kapitalistischen Ökonomie, den Mehrwert zu ver­größern, indem die mehrwertproduzierende Arbeit gegenüber der ar­beitskraftreproduzierenden Arbeit steigt, erfolgt im wesentlichen durch zwei zu unterscheidende Methoden, wo­durch auch das Mehrprodukt bzw. die Masse der ökonomisch genutzten und produzierten Stoffe steigt, so­ dass sich hieraus ein weiterer naturrelevanter Faktor ergibt.

1. Die einfache Verlängerung des Produktionsprozesses, d.h. die Verlängerung des Arbeitszeitanteils, der über den zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Teil hinaus den Mehrwert produziert. Dieses erfordert zusätzliche Produktionsmittel, also zusätzliche Stoffe, die der Natur genommen und dann in Schadstoffe transformiert werden.

2. Die Verkürzung des notwendigen Teils der Arbeitszeit. D.h. die zur Reproduktion der Arbeitskraft nötigen Gebrauchswerte müssen weiterhin zur Verfügung stehen, aber ihr Wert muss sinken. Nicht der Lohn der ArbeiterInnen muss also unter den Wert ihrer Arbeitskraft sinken, sondern der Wert der zu ihrer Reproduktion benötigten Lebensmittel, d.h. der Wert der Ware Arbeitskraft selbst muss sinken. Das Äquivalent desselben Quantums Waren muss also in weniger Zeit produziert werden, damit die verbleibende Zeit zur Mehrarbeitszeit ge­schlagen werden kann.

Die Veränderung der Arbeitsmittel und der -methoden also der Produktionsweise u.a. durch die wissenschaftlich-technische Entwicklung ermöglicht dieses mit dem dann erzielten Effekt der Erhöhung der Produktivkraft[31]. Ein größeres Quantum Gebrauchswert kann so in geringerer Zeit produziert werden, so dass der in Zeit gemessene Wert je produzierter Ware sinkt. 

Hieraus folgt ein Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Einzelkapitalien mit dem Ziel einen Extramehrwert zu erzielen. Um weiterhin unter den Bedingungen der Konkurrenz Mehrwert erzielen zu können, müssen die anderen Einzelkapitalien nun ebenfalls ihre Produktivkraft erhöhen[32], woraus der kontinuierliche Zwang zur Produktivkrafterhöhung entsteht.

Das Erzielen von Extramehrwert ist so an kontinuierliche Produktivkrafterhöhung gebunden. "Es ist daher der immanente Trieb und die beständige Tendenz des Kapitals, die Produktivkraft der Arbeit zu steigern, um die Ware und durch die Verwohlfeilerung der Ware den Arbeiter selbst zu verwohlfeilern." (MEW 23: 338). Die durch das Ziel der Endlosverwertung dominierte Produktionsweise macht die Produktivkraftentwicklung zu einem ihrer inhärenten Attribute, und zu einer weiteren immanenten Gesetzmäßigkeit der kapitalistischen Produktion. Die Konkurrenz herrscht hierbei jedem einzelnen Kapitalisten diese im­manenten Gesetze als Zwangsgesetze auf, denn sie zwingt diese, ihr Kapital fortwährend auszudehnen, was generell nur durch kontinuierli­che Akkumulation möglich ist. Diese objektiven ökonomischen Bedingungen des Kapitals erzeugen so das treibende subjektive Motiv der KapitalistInnen.

Diese Produktivkrafterhöhung muss also dazu führen, nicht etwa ein fixes Quantum an Waren in kürzerer Zeit zu produzieren, so dass sich die Arbeitszeit der Einzelnen verkürzen könnte; sie führt dazu, in gege­benen Zeitgrenzen soviel Waren wie möglich zu produzieren. Das Ziel der Steigerung der produzierten Menge je Zeiteinheit, ohne die Herabsetzung der Arbeitszeit impliziert also ein quantitativistisches Verständnis der Produktivkraft. "Der Kapitalist will nämlich durch sein Kapital die größtmöglichste Quantität Machwerk produzieren" ... lassen (MEAW Bd.1: 66).

Zeit dominiert so wesentlich die Wertökonomie. Stößt die Verlängerung der Arbeitszeit an ihre Grenzen, muss eine Verkürzung der Arbeitszeit je Produkt her; alles im Dienste der Mehrwerterhöhung. Abstrakte Zeit wird so zur Despotin über soziale Verhältnisse und über konkrete Natur.

Die Erhöhung der Produktivkraft bzw. die größtmöglichste Quantität an Waren wird durch immer größere Anhäufung von Maschinen erzielt, was eine sukzessive Versachlichung des Produktionsprozesses und das Entstehen neuer Produktionszweige zur Folge hat.

Was bedeutet das für das kapitalistische Naturverhältnis?

Der Zwang, die Produktivkraftsteigerung zur Mehrwertbildung weiter­führen zu müssen, erfordert also die Investition von immer mehr Kapital, welches in die Zirkulation geschmissen wird. Dieser steigende Einsatz an Stoffen für Maschinen, Werkzeuge und ande­re Arbeitsmittel ermöglicht und erfordert den vermehr­ten Verbrauch von Roh- und Hilfsstoffen, also von Arbeitsgegenständen, die in den Produktionsprozess eingehen, um dann einerseits als Waren, andererseits als Schadstoffe transformiert aus ihm auszuscheiden.

Wenn sich z.B. die Produktivkraft durch die zuvor dargestellten Veränderungen verdoppelt, muss die variable Arbeitskraft im selben Zeitraum doppelt soviel produzieren wie vorher. Das geht selbstver­ständlich nicht ohne zusätzliche Arbeitsgegenstände, d.h. Roh- und Hilfsstoffe, so dass mit der Verdoppelung der Produktivkraft ebenso dop­pelt so viele Stoffe benötigt werden.

"Mit dem Wachstum von Wirksamkeit, Umfang und Wert ihrer Produktionsmittel, also mit der die Entwicklung der Produktivkraft be­gleitenden Akkumulation erhält ... die Arbeit ... einen stets schwellenden Kapitalwert" (MEW 23: 633) und ebenso eine stets schwellende Masse an Stoffen.

Produktion, Transport und andere ökonomische Prozesse steigen unweigerlich an.[33] Es entstehen vermehrt Schadstoffe und somit weitere naturdestruktive Prozesse, denn vermehrter Schadstoffausstoß wird durch vermehrten Stoffeinsatz erzeugt.

Zur Umsetzung der Mehrprodukte wird eine Marktvertiefung und -erweiterung zum Zwangsgesetz, eine Ausweitung der Naturzerstörung inbegriffen.

Die Masse an Produktionsmitteln mit ihren sich ausdehnenden materiel­len, z.B. infrastrukturellen Bedingungen und somit eben auch die Nutzung von Stoffen mit ihren thermodynamisch relevanten Umsetzungen müssen zur Erhöhung der Produktivkraft also unweigerlich wachsen, um den Mehrwert zu erhöhen. Diese "technisch-naturale Spezifik der kapitalistischen Produktionsweise ... (ist mit -d.Verf.) dem zunehmenden Schöpfen aus Naturquellen und Belasten von Naturumwelten ... grundsätzlich beschrieben." (Tjaden 1990: 120). Die an die qualitativ relevanten Gesetze der Entropie ge­bundene Produktivkrafterhöhung ist somit auch an die quanti­tativ dominierende Verwertungslogik gekoppelt.

In der kapitalistischen Produktivkraftentwicklung wird so nicht nur die Widersprüchlichkeit zwischen dem Stofflichen und dem Wertmäßigen bzw. zwischen dem Gebrauchswert und dem Wert und so auch zwischen der Wertökonomie und der Natur deutlich. Die Entwicklung der Produktivkräfte gerät ab einer bestimmten Stufe unter den Bedingungen einer kapitalis­tischen Ökonomie selbst in Widerspruch zur Natur, was sich seit ca. 1950 in historisch neuer Dimension mit immer gravie­renderen Folgen bewahrheitet.

Steigen mit der Produktivkrafterhöhung notwendig die Gebrauchswerte, die in den Produktionsprozess als Arbeitsmittel und -gegenstände ein­fließen und ebenso die vielfach beschriebenen ökologischen Belastungen, nimmt der Wert beabsichtigt mit dieser Steigerung der Gebrauchswerte und der ökologischen Belastungen je Produkt ab. Ökologische Belastungen durch Produktivkrafterhöhung sind so durch erhöhte bzw. steigende Stoffnutzung und sinkendem Wert je Ware gekennzeichnet. Inhalt dieser Bewegung ist also auch hier die Widersprüchlichkeit zwi­schen der abstrakten und quantitativ endlosen Wertmaximierung und dem damit notwendig zusammenhängenden stofflichen also qualitativ-physischen Einsatz der konkreten Produktivkräfte im Produktionsprozess.

Die Untrennbarkeit von Wert und Stoff erfordert also mit der Steigerung der Produktivkraft eine wachsende Masse in Bewegung gesetzter Stoffe, was die Natur als Quelle und Senke zuneh­mend überansprucht. Produktivkrafterhöhung und Naturzerstörung müssen so irgendwann „Hand in Hand gehen“.

Die Entwicklung der auf Naturvernutzung und -ausbeutung ausgelegten kapitalistischen Methoden der Produktivkraftsteigerung im industriellen Prozess bedeutet für die Natur demnach ihre Vernichtung auf immer größerem Maßstab, denn Mehrwert kann und muss produziert werden, indem Natur konsumiert wird.

"Die kapitalistische Produktion entwickelt daher ... die Technik und die Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen allen Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter." (MEW 23: 529f.).

Die Methoden zur Produktivkraftsteigerung sind zugleich Methoden zur Steigerung des Mehrwertes, bzw. des Mehrprodukts. Mehrwert ist zugleich Bildungselement der Akkumulation "Sie (die zuvor genannten Methoden -d.Verf.) sind also zugleich Methoden der Produktion von Kapital durch Kapital oder Methoden seiner beschleunigten Akkumulation. Die kontinuierliche Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital stellt sich dar als wachsende Größe des in den Produktionsprozeß eingehenden Kapitals." (MEW 23: 653). Mehrwert ist so nicht nur Resultat, sondern Resultat und Voraussetzung in einem. Mehrwert existiert real also als zirkulierende Zelle der Akkumulation, die als “wuchernde Krebszelle“ irgendwann naturzerstörerisch umschlägt, da eben das Resultat der Kapitalakkumulation nicht primär den KapitalistInnen zur Konsumtion dient, sondern zur erneuten Akkumulation eingesetzt wird. Die Folge ist, dass mit der Akkumulation des Kapitals "sich daher die spezifisch kapitalistische Produktionsweise und mit der spezifisch kapitalistischen Produktionsweise die Akkumulation des Kapitals entwickelt." (MEW 23: 653).

Große Maschinerie zur Produktivkrafterhöhung zieht so noch größere nach sich, massenhafte Stoffumsätze ziehen massenhaftere nach sich. Das Wachstum als solches ist so systemnotwendige dauerhafte Zielsetzung. Dauerhaft wachsende Kapitalakkumulation muss so notwen­dig irgendwann an physisch-naturale Schranken stoßen, da diese natür­lichen Schranken sich nicht diesen gesellschaftlich-ökonomischen Prozessen anpassen. Das Kapital selbst kennt nur andere Schranken: "Das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion" (MEW 25: 260) tritt beständig in Widerspruch zu den Produktionsmethoden, so dass die Schranke des Kapitals lediglich an der Schranke des Produktivkraftstands entsteht, wodurch sich diese kontinuierlich ent­wickeln müssen.

Das mit der Akkumulation notwendig einhergehende kontinuierliche Wachstum an Stoffnutzungen und somit die Steigerung der Entropie, sowie die damit verbundene Zerstörung von Natur ist demzufolge inhärentes Attribut bzw. eine weitere sich selbst bedingende Notwendigkeit kapitalisti­scher Ökonomien.  

Hinsichtlich der allgemeinen Ursachen des kapitalistischen Naturverhältnisses lässt sich zusammenfassend feststellen, dass es we­sentliche immanente Gesetzmäßigkeiten in der kapitalistischen Ökonomie gibt, die als allge­meine Ursachen der Naturzerstörung fundamentale ökonomische und ökologische Relevanz entfalten.

Die widersprüchliche Verbindung der Mehrwertbildung mit ihrer Stofflichkeit, die sich unter dem Primat fortwährender Kapitalmaximierung in ökonomischen und natürlichen Prozessen entfal­tet, sowie die Jagd nach dem Extramehrwert, der die konkurrierenden Einzelkapitalien zur ewigen Akkumulation durch Produktivkrafterhöhung zwingt, sind wesentliche „Konstitutionspfeiler“ des kapitalistischen Naturverhältnisses. Der Kern dessen ist in der widersprüchlichen Doppelhaftigkeit von Waren im Gebrauchswert und Wert, von Arbeit in der konkreten und abstrakten Arbeit, und im Produktionsprozess als Arbeits- und Verwertungsprozess zu finden. 

Regulationstheorie und die Naturfrage[34]

Ein theoretischer Hauptbezugspunkt bzw. eine wesentliche theoretische Grundlage zu den im Folgenden thematisierten ökonomischen Prozessen und Strukturen, ist die Theorie der Regulation[35], da wesentliche Teile dieser Theorie als Anknüpfpunkte an die zuvor bearbeitete Marxsche Ökonomieanalyse interpretierbar sind.[36] 

So wird nach der Regulationstheorie ebenso wie in der Marxschen Theorie die Entwicklung kapitalistischer Gesellschaften auf der Basis der allgemeinen Gesetze und der sozialen Beziehungen der kapita­listischen Produktionsweise vollzogen. Die historischen Durchsetzungsformen dieser Entwicklung verändern sich nun aber mit der quantitativen Ausweitung und qualitativen Vertiefung der Kapital- und Lohnarbeitsverhältnisse kontinuierlich (Hurtienne 1986), so dass diese nicht ohne spezifische Veränderungen aus der eben genannten Basis ab­leitbar sind und somit weiterer theoretischer Auseinandersetzungen be­dürfen, die über die Marxsche Analyse hinausgehen. Entsprechend dieser Legitimitätsgrundlage der Regulationstheorie[37] konzentriert sich ihr allgemeiner Gegenstand "auf die den ökonomischen Reproduktionsprozess bestimmenden sozialen Verhältnisse, deren Variabilität und historische Veränderbarkeit." (Hirsch 1990: 17). 

Hauptanliegen ist es demnach, eine Verbindung zwischen der Marxschen Akkumulationstheorie und der konkreten Akkumulationsgeschichte kapitalistischer Gesellschaften herzustellen, um "die abstrakten Gesetzmäßigkeiten des homogenen Raumes des Wertes mit den histo­risch-empirischen Prozessen zu vermitteln" (Hübner 1990:71). Hierdurch ist dieses Konzept als eine Erweiterung der Marxschen Theorie zu verstehen und kann als Weiterführung einer ökologischen Ökonomiekritik angewendet werden.

In der Unzulänglichkeit, aus den abstrakten Bewegungsgesetzen des Kapitals keinen direkten Zugriff auf konkrete historische Phasen bzw. Zustände der kapitalistischen Gesellschaft zu gewinnen, liegt also der Ansatzpunkt der Regulationstheorie. D.h., dass sich auch die Reproduktion der Kapitalverwertungsstrukturen und damit auch die Reproduktion des Lohnverhältnisses sowie des Naturverhältnisses nicht in abstrakten, sondern immer nur in konkreten Formen vollziehen. Die historisch vorfindbaren Formen des Kapital- und Lohnarbeitsverhältnisses stellen hierbei nicht einfach “ableitbare Konkretisierungen“ der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten dar. Vielmehr bekommt “Geschichte“ hier selbst einen systematischen Stellenwert bei der Untersuchung der Reproduktion kapitalistischer Strukturen und Verhältnisse.

Aufbauend auf den zuvor analysierten allgemeinen kapitalistischen Naturverhältnissen mittels Marxscher Theorie, finden hier regulationstheoretische Kategorien Anwendung, um diese spezifische kapitalistische Phase mit seinen spezifisch fordistischen Ursachen von Naturzerstörungen zu thematisieren.

Innerhalb bestimmter Phasen des Kapitalismus existieren spezifi­sche Verwertungsstrukturen, die nun jeweils räumlich und zeitlich un­terschiedlich reguliert werden müssen, um ihre Reproduktion zu ge­währleisten. Hirsch drückt dieses erweiternd folgendermaßen aus: "Der Kapitalismus ist ... sowohl zeitlich (historische Entwicklungsphasen) als auch räumlich (nationale Gesellschaften) durch unterschiedliche Formationen mit je spezifischen Wachstumsmodellen, Reproduktionszusammenhängen, institutionellen Konfigurationen, Konflikt- und Krisenformen gekennzeichnet. Aufgabe der wissenschaftlichen Analyse ist es, diese räumlich wie zeitlich miteinander verbundenen Formationen und ihre Transformationsprozesse ... zu untersuchen."[38] (Hirsch 1990: 19f.)

Die Regulationstheorie unternimmt hierbei den Versuch, den Zusammenhang der ökonomischen Strategien und institutionellen Formen, deren Arrangement die jeweilige Entwicklungsphase bezeich­net, aufzuzeigen. Der theoretische Ansatz der RT ermöglicht so in der Kontinuität Marxscher Theorie eine ökologische Kritik an den historisch spezifischen Akkumulationsregimen und Regulationsweisen durchzuführen. Der Zusammenhang der o.g. Strategien und Formen wird wesentlich durch gesellschaftliche Krisen bestimmt, denn erst in ihnen bilden sich nach der Regulationstheorie die sozialen und institutionellen Strukturen her­aus, deren Ensemble kohärenzstiftend für die jeweilige Akkumulationsperiode wirkt, und nur durch diese Krisen einer Vergesellschaftungsform entstehen die Bedingungen, die zur Grundlage einer neuen werden.

Zur Analyse dieses Zusammenhangs sind zwei Kategorien in der Regulationstheorie zentral: Die erste ist das Akkumulationsregime.

Das jeweilige Akkumulationsregime drückt im Kern das Reproduktionsmuster der jeweiligen Wachstumsperiode aus, womit es auch zur ökologisch relevanten Kategorie wird. Es lässt sich nun durch ein Reproduktionsschema mit den beiden gesellschaftlichen Abteilungen der Produktion -der Produktionsmittelproduktion (Abteilung I), und der Konsumgüterproduktion (Abteilung II) mit spezifischen Proportionalitäten darstellen (Lipietz 1985).[39] 

Drei Varianten der Akkumulation hatten bzw. haben bisher historisch be­sondere Bedeutung: die extensive Akkumulation, welche wesentlich durch einfaches Wachstum beider Abteilungen gekennzeichnet ist; die intensive Akkumulation ohne Massenproduktion, "bei der allein das Anwachsen des konstanten Kapitals das Wachstum der Abteilung I ver­wertet" (Lipietz 1985: 120), sowie die intensive Akkumulation bei wachsendem Massenkonsum.

Insbesondere durch die Ausweitung der letzteren Akkumulationsvariante muss das Wachstum der Produktion der beiden zuvor genannten gesellschaftlichen Abteilungen dem Wachstum des ein­gesetzten Kapitals und der Kaufkraft der Lohnabhängigen entsprechen, was durch die Entwicklung der Reproduktion der Arbeitskraft bzw. der Konsumtionssphäre zur verwertungsrelevanten Sphäre ermöglicht wird und was darüber hinaus enorme ökologi­sche Konsequenzen hat.

Seine Funktion als gesellschaftlicher Kohäsionsfaktor kommt dem Akkumulationsregime erst durch die Verbindung mit strukturellen Formen zu (Aglietta 1979), deren Zusammenhang und Artikulation als Regulationsweise bezeichnet wird, womit die zweite zentrale Kategorie der Regulationstheorie genannt ist.

Die Regulationsweise stellt den gesellschaftlichen Rahmen dar, innerhalb dessen die Kapitalakkumulation bzw. das ökonomische Wachstum in ei­ner Periode Unterstützung findet. Hierdurch ist die Regulationsweise als Stütze des Akkumulationsregimes -zumindest indirekt- ebenfalls ein na­turrelevanter Faktor.

Strukturelle Formen, die eine Regulationsweise im wesentlichen ausmachen sind u.a.:

das Lohnverhältnis. Es bestimmt die Bedingungen, unter denen die Arbeitskraft in der Produktion Anwendung findet und sich reproduziert. Seine Regulation beinhaltet u.a. die Festlegung von Zeitnormen, des Wertes der Arbeitskraft oder die Arbeitsintensität.

Die Staatsintervention zeigt den Durchdringungsgrad der Ökonomie durch den Staat an, d.h. inwieweit staatlicherseits in Arbeits- und Kapitalmärkte sowie in die industriellen Beziehungen und die Arbeitskräftereproduktion regulierend eingegriffen wird.

Weitere Formen sind z.B. das Geldverhältnis, das Konkurrenzverhältnis oder das Weltmarktregime.

Versagt nun eine spezifische kohärenzstiftende Regulationsweise in ihrem Zusammenwirken mit  einem  Akkumulationsregime, entsteht ein Reproduktionsungleichgewicht, was dann i.d.R. in einer Krise mündet und eine Veränderung in der Regulationsweise nach sich zieht.

Einen zentralen Stellenwert in der Theorie der Regulation hat hierbei das Lohnverhältnis, weshalb seine Betrachtung im Zentrum dieser Theorie steht. "Tatsächlich wird innerhalb der Regulationstheorie in er­ster Linie das Entsprechungsverhältnis zwischen den Steigerungsraten der Arbeitsproduktivität (Massenproduktion) und der Löhne (Massennachfrage), also das so genannte “Lohnverhältnis“ (unter histo­risch sich verändernden Bedingungen -d.Verf.) analysiert." (Altvater 1992b: 58). Durch die hiermit auftauchende neue Dimension der Massenproduktion und der Massennachfrage entfaltet sich zudem die Relevanz dieser Theorie für die Analyse des fordistischen Naturverhältnisses.

Idealtypisch lassen sich nun zwei Formen von Regulationsweisen unter­scheiden. Die auf “Konkurrenz“ beruhende Regulationsweise unterschei­det sich hierbei von der als “monopolistisch“ bezeichneten im wesentli­chen dadurch, dass bei der ersten die Verwertung des Kapitals erst im nachhinein durch den tatsächlichen Tausch von Ware gegen Geld auf dem Markt festgestellt werden kann, wohingegen die monopolistische Regulationsweise dadurch gekennzeichnet ist, dass u.a. durch ein ausgepräg­tes Kreditsystem, kollektive Tarifverträge sowie Staatsinterventionen eine stabilisierte Nachfrage i.d.R. bereits vor dem Marktakt  angenom­men werden kann, so dass ökonomische Prozesse einfacher antizipiert werden können.

Die Regulationstheorie unterscheidet idealtypisch zwischen zwei verschiedenen Varianten bzw. Konstellationen kapitalistischer Gesellschaften: Das extensive Akkumulationsregime mit konkurrenz­kapitalistischer Regulationsweise und das intensive Akkumulationsregime mit monopolistischer Regulationsweise.

Auf dieser kategorialen Entfaltung lässt sich nun auch der Begriff Fordismus verorten, denn der Fordismus ist als ein spezifisches Ensemble von Akkumulationsregime, strukturellen Formen und ent­sprechender Regulationsweise zu verstehen.

Fordismus entspricht demnach in Idealgestalt dem vorwiegend inten­siven Akkumulationsregime mit wachsendem Massenkonsum und mo­nopolistischer Regulationsweise. Er verweist zudem aber auch durch die Massenhaftigkeit von Produktion und Konsumtion auf die noch näher zu bestimmenden Veränderung im Verhältnis von Mensch und Natur.

Die politischen Prozesse im regulativen Apparat sind zwar entscheidend, bleiben aber an den Zwang zur Mehrwertproduktion rückgebunden.

Die Regulationstheorie -zumindest der Agliettaschen Prägung, und somit eine Weiterführung Marxscher Theorie- liefert also den konstitutionellen Rahmen, die Bewegungsformen und allgemeinen Gesetze kapitalistischer Ökonomien in ihren historisch kon­kreten Ausprägungen zu analysieren. Hierbei machen die in dieser Theorie entwickelten Kategorien der intensiven Akkumulation mit mo­nopolistischer Regulationsweise mit der dazugehörigen Entwicklung der Produktivkraft, sowie die Kategorie der Massenproduktion und des Massenkonsums auf­grund der damit inhärent verbundenen Wachstumspotentiale der Stoffumsätze und –verbräuche, die entropische und ökologische Bedeutung des Fordismus offensichtlich.

Wie sich die ökologische Relevanz des Fordismus in der Praxis dar­stellt bzw. wie sich die Praxis fordistischer Ökonomie hinsichtlich ihres Naturzusammenhangs historisch herausgebildet hat, wird in der Analyse des Zusammenhangs Marxscher Reproduktionsschemata mit den regulationstheoretischen Kategorien des Akkumulationsregime und der Regulationsweisen evident.

Im Vorfordismus erfolgte die Kapitalakkumulation wesentlich in Abteilung I. Von Abteilung II gingen keine bedeutsamen Wachstumsimpulse aus. "Das Kapital reprodu­zierte sich in einer quasi nichtkapitalistischen, durch Subsistenzproduktion und traditionellen Lebensformen geprägten sozia­len Umwelt" (Hirsch; Roth 1986: 86), da keine Regulationsweise, in der auf hohe Löhne abgezielt wurde existierte und die konkurrenzlos billige häusliche Konsumgüterproduktion das Entfalten der Konsumgüterindustrie bzw. der Abteilung II verhinderte.

Die Reproduktion der Arbeitskraft war also überwiegend noch nicht in die kapitalistische Verwertungslogik integriert, so dass die relative Mehrwertproduktion von der absoluten dominiert wurde.

"Die Folge war eine polarisierte Wachstumsdynamik von zwei relativ geschlossenen Reproduktionskreisläufen, die nur durch geringe Austauschbeziehungen miteinander verbunden waren." (Hurtienne 1986: 77). 

Die naturrelevanten Wachstumspotentiale der Ökonomie mussten also schwerpunktmäßig von der Ausdehnung der Abteilung I ausgehen. Steigerungen in der Arbeitsproduktivität u.a. durch Einführung neuer Technologien fanden hier zwar in Schüben bzw. in Zyklen statt, aber nicht kontinuierlich (Hurtienne 1986), was eben ihren dominant exten­siven Charakter wesentlich miterzeugte.

Aber auch schon das ökonomische Wachstum in dieser Zeit führte zu ei­nem relativ zu vorherigen ökonomischen Wachstumsphasen bedeuten­den Anstieg der Energie- und Stoffverbräuche mit den entsprechenden Steigerungen der Schadstoffbelastungen, was z.B. aus dem Anwachsen der Roheisenproduktion in England abzulesen ist, oder an dem nun erstmals signifikant auftretenden Anstieg klimarelevanter Spurengase deutlich wird.

Etwa zu Beginn des 20.Jahrhunderts zeichnete sich nun ein Abklingen der bisherigen Wachstumssteigerungen in den jeweiligen Aufbauphasen der Industrien ab. Ein Grund hierfür ist u.a., dass viele der zur damaligen Zeit einmal installierten Anlagen -so z.B. Eisenbahnschienen- sich durch die “Langlebigkeit“ ihres Gebrauchswertes auszeichneten, wodurch kein schneller Ersatz zu erwarten war. Die Kapitalzirkulation, die entsprechend des Zieles maximalen Mehrwert zu erzeugen auf eine schnellstmögliche Umschlaggeschwindigkeit abzielt, vollzog sich dann relativ langsam, wo­durch sich auch die Mehrwerterzeugung relativ langsam vollzog.[40] Eine „optimierte“ Realisierung des Mehrwerts erforderte so zumindest ökono­mische Veränderungen, denn "gegen Ende des 19.Jahrhunderts stößt die extensive Akkumulation an Grenzen, die ... (u.a. -d.Verf.) ihre Absatzmärkte (die im Außenhandel gesucht werden, der durch imperia­listische Beziehungen >>geschützt<< ist) ... betreffen. (Lipietz 1985: 123)

Ökologisch relevant sind hier weniger die Ursachen dieser Krise, son­dern die Methode ihrer Überwindung bzw. die Methode zur Realisierung einer weiter wachsenden Mehrwertproduktion, d.h. Produktivkraftsteigerung durch tayloristische Produktionsmethoden. Die Folge war gravierend:

Biologische Energiequellen, wie z.B. Pferdekraft oder die menschliche Muskelkraft werden nun verstärkt von fossilen Energieträgern verdrängt, „die ein Vielfaches der (Produktions)leistung pro Zeiteinheit zu bringen vermö­gen. Dort wo die Kraftquellen des Körpers ausschließlich oder vorwie­gend genutzt werden, müssen sie mit fossil angetriebenen Energiewandlungssystemen konkurrieren“[41] (Altvater 1992b: 70), und unterliegen dann früher oder später in diesem Konkurrenzkampf.

Entsprechend dieses beschleunigten Umwandlungssystems benötigte und benötigt die nun ermöglichte Massenproduktion Massen an Stoffen, die in Waren umgewandelt werden, sowie Massen an stofflichen d.h. fossilen Energieträgern, die dieses System am Laufen halten, so dass der Prozess dieser fordistischen Produktivkraftsteigerung zugleich ein Prozess einer enorm wachsenden Ressourcennutzung wurde. Fossile Stoffe gewannen zunehmend an Bedeutung, wodurch ökonomische Prozesse der Stoffumwandlung dementsprechend an ökologischer Relevanz gewannen.[42] 

Der produktivere Taylorismus mit seinem notwenig hohen Durchlauf an mineralischen und energetischen Stoffen, oder -so wie Altvater es ausführlicher formuliert- die erhebliche Steigerung der "Stromgrößen (Sozialprodukt bzw. Wertschöpfung einer­seits und Arbeitsinput andererseits in einem Zeitraum innerhalb der Zeitordnung des industriellen Systems) ... (relativ zu den -d.Verf.) Bestandsgrößen (Stromgrößen in biotischer und geologischer Eigenzeit)" [43] (Altvater 1992b: 92) ist so die Ausgangsbedingung des Umschlags in der Dominanz des Akkumulationsregimes zu einem intensiven Akkumulationsregime. Hiermit ist auch der Ausgangspunkt bzw. die nun kontinuierlich produktive Grundlage eines fossilistischen Fordismus entstanden. Dieser konnte sich in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts herausbilden und erlangte dann in seiner weiteren Entwicklung, insbesondere nach dem 2.Weltkrieg, massive entropische bzw. ökologische Bedeutung.

Mit dieser neuen Stufe der Produktivkraftsteigerung wächst die in ihr angelegte Syntropiereduktion auf der Inputseite -d.h. der Reduktion von Stätten bzw. Bündelungen von Rohstoffen- und die Entropieproduktion auf der Outputseite (Altvater 1992c) in besonderer Weise, denn mit der Menge und Qualität der nun ver- und genutzten Ressourcen wurden im Verlauf dieser ökonomischen Entwicklung allmählich die globalen Naturgrundlagen des Lebens ernsthaft gefährdet.

Die Folge dieser Produktivkrafterhöhung war zunächst eine Krise -die Überproduktionskrise der 30er Jahre-, da die Produktivkraft schneller wuchs als die Kaufkraft. Die hierauf folgende Krise der Regulationsweise führte zu einer neuen, d.h. eine u.a. durch hohe Löhne geprägten RW, was auf der Grundlage des intensiven Akkumulationsregimes möglich wurde, denn die kontinuierliche Produktivkraftsteigerung erlaubte sowohl steigenden Mehrwert als auch steigende Löhne. 

Weitere wesentliche Regulationselemente sind nun die verstärkte Organisation der Beziehung zwischen Arbeit und Kapital sowie Staatsinterventionen. Ersteres ist u.a. dadurch geprägt, dass es den Gewerkschaften durch ihr Einschwenken auf den neu eingeschlagenen Wachstumspfad gelang, die Klassenauseinandersetzungen in Lohnkämpfe zu kanalisieren. Damit wurde der weitgehende Verzicht auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen durch eine erweiterte Teilnahme am Konsum “erkauft“ und langfristige Sicherheiten für die unternehmerische Investitionstätigkeit geschaffen (Aglietta 1979). Durch diese Richtung der RW im Verhältnis von Arbeit und Kapital haben so Klassenauseinandersetzungen durch das “Anheizen“ der Wachstumsentwicklung auch eine ökologisch relevante Richtung eingeschla­gen.

Die Staatsinterventionen sind u.a. durch eine aktive Einflussnahme auf den Arbeitsmarkt in Form der Arbeitsmarktpolitik, staatlicher Investitionstätigkeit -auch im Rahmen antizyklischer Konjunkturpolitik- sowie durch den Ausbau des sozialen Sicherungssystems gekennzeich­net.[44] Hierdurch gelang es, sowohl die Beschäftigungs- und Lohnentwicklung zu stabilisieren, als auch die Risiken der Lohnarbeit -wie z.B. Arbeitslosigkeit- zu mindern, und so dieses ganz auf Massenwachstum abgestellte Akkumulationsregime zu stützen.

Zielten also die Interessen des Kapitals traditionell auf Wachstum ab, schwenkten mit dem intensiven AR auch andere entscheidungsrelevante gesellschaftliche Gruppen, wie Gewerkschaften und der Staat hierauf ein, wodurch sich eine ökologisch relevante kommodifizierte Konsumnorm etablierte. - Der komplette Fordismus entstand.

Die den Fordismus charakterisierende Massenhaftigkeit ökonomischer Prozesse und somit auch entropischer, ökologisch immer bedeutsamer werdenden Prozessen wird demnach nicht nur durch eine sich kontinuierlich entwickelnde Produktivkraft ermöglicht, sondern zudem mit Unterstützung von “außerökonomischen“ Regulationselementen abgesichert und gefördert[45]. Naturdestruktive ökonomische Prozesse werden so weiter forciert.

Dem zum Massenproduktion entsprechenden Pendant des Massenkonsums steht nun nichts mehr im Wege. So ist auch die Basis für die Expansion der inneren Märkte und für die Überwindung des vorfordistischen Dualismus der Abteilungen I und II (Hirsch 1986) gelegt, denn mit der Möglichkeit der Massenproduktion und -konsumtion erschloss sich erstmals durch die nun rasch wachsende Kommodifizierung der Reproduktion der Arbeitskraft diese als Kapitalanlage- und verwertungsrelevante Sphäre. Die Basis für die Durchsetzung neuer ökonomischer Branchen wie z.B. dem Automobilbau oder dem Haushaltsgerätebau war geschaffen. Die relative Mehrwertproduktion konnte sich mit der Abteilung II all­mählich voll entfalten, da nun die fordistischen Subjekte nicht nur als MehrwertproduzentInnen, sondern auch als WarenkonsumentInnen das Interesse des Kapitals gewannen.

Hierdurch bekam die Akkumulationsdynamik einen enormen Wachstumsschub. Durch die verstärkte Nachfrage nach Investitionsgütern aus Abteilung II verdichteten sich nun auch die Austauschbeziehungen beider Abteilungen mit dem Resultat einer ver­stetigten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die etwa ab 1950, nach­dem auch in Westeuropa das fordistische System zu greifen begann, neue Dimensionen des Wachstums erreichte.

Massenproduktion und Massenkonsumtion sind somit wesentlich durch die Produktivkraftsteigerung, ihrem Bindeglied der hohen Löhne sowie einer entsprechenden Regulationsweise ermöglicht worden. Der damit einhergehende wachsende Ressourcenverbrauch und die wach­sende Belastung der Ökosphären werden von einem produktivistischen und auf Massenkonsum beruhenden Akkumulationsregime, welches durch ent­sprechende Regulationsformen unterstützt wird, mitverursacht. Folge ist der Ge- und Verbrauch von Massen an energetischen und mineralischen Stoffen.

Lokal begrenzte Zugriffsräume -soweit diese überhaupt vorhanden wa­ren- reichten nicht mehr aus, so dass die hochproduktive fordistische Ökonomie der Endlosakkumulation eine Globalisierung des Raums bzw. die Globalisierung der Energie- und Rohstoffökonomie erforderte[46], um das System von Massenproduktion und -konsum in bestimmten privi­legierten Regionen dieser Welt, d.h. im OECD-Raum bedienen zu kön­nen[47].

Viele der in Millionen von Jahren gebildeten fossilen und mineralischen Stoffe, ebenso wie viele schnell nachwachsenden Rohstoffe -wie z.B. Fisch- wurden in wenigen Jahrzehnten im globalen Raum knapp oder sind sogar schon am Verschwinden. Um den nun entstehenden Mangel zu beheben, werden immer intensivere Methoden der Rohstoffausbeutung betrieben. Hierdurch werden ganze Regionen mit den schon zuvor genannten Folgen durch eine massive und intensive Biosphärenvernichtung ökologisch zerstört. Altvater pointiert diese Entwicklung:

"Die nichtnutzbaren Arten sind (dabei -d. Verf.) wertlos; Pflanzen sind Unkraut, nicht nutzbare Bäume bilden den Unwald, Tiere sind Schädlinge und Stoffe sind Abraum. Über das ökologische System, in dem Unkraut, Unwald und Schädlinge nützliche Wesen sind, wird die Folie der Selektion nach den Kriterien der Verwertbarkeit gelegt." (Altvater 1992a: 292f.).

Neben den zuvor genannten Faktoren existiert eine Reihe weiterer ökologisch relevanter von denen ich abschließend nur einige kurz anführe.

Werbung, die Beschleunigung von psychisch-moralischer Obsolenz bzw. modischer Verschleiß der Ware (Haug 1980), der zumindest z.T. als ästhetischer Wandel oder dem so genannten Zeitgeist ideologisch legitimiert wird, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg voll entfaltende Konsumentenkredit, Einwegwaren, die technisch geplante Herabsetzung der Lebensdauer der Waren u.v.a. sind zudem wichtige Faktoren, die Ausdruck eines kommodifizierten Lebensstils sind.

Die Konsumtionssphäre wurde demnach fordistisch bedingt nicht nur zur ver­wertungsrelevanten Sphäre. Durch die massenhafte Nutzung von Waren und der damit verbundenen Ressourcenübernutzung sowie durch die Nebenprodukte dieses kommodifizierten Lebensstils, wie u.a. Abfall, Abluft und Abwasser wurde sie auch zur naturrelevanten Sphäre.    

Die seitdem existierende kommodifizierte Gesellschaftsstruktur manifestiert sich in einer naturdestruktiven Alltagskultur.

Welche Ursachen von Naturzerstörung lassen sich abschließend als spezifisch fordistische herausstellen?

Kern der durch den Fordismus erreichten neuen destruktiven Qualität im kapitalistischen Naturverhältnis ist die neue Qualität der per­manenten Erhöhung der Produktivkraft.

Was dem Fordismus mit den vorfordistisch-industriellen Phasen des Kapitalismus gemein ist, ist die kontinuierliche Kapitalakkumulation bzw. das maßlose Bestreben den Mehrwert mit der Ausweitung der Stofftransformationsprozesse ins Endlose zu steigern, denn -so wie Marx es treffend formulierte: "die Natur des Kapitals bleibt dieselbe, in seiner unentwickelten, wie in seinen entwickelten Formen." (MEW 23: 304).

Was ihn aber wesentlich von allen vorherigen kapitalistischen Phasen unterscheidet, und so die spezifisch fordistischen Ursachen der Naturzerstörung ausmacht, sind

1. seine technologische bzw. produkti­vistische Kompetenz, die

2. in Kombination mit entsprechend auf Wachstum zielgerichteten institutionellen Formen dahingehend reguliert wird bzw. abzielt,

3. sämtliche gesellschaftliche Bereiche zu kommodifi­zieren, d.h. in die weiterhin existente allgemeine und traditionelle Verwertungslogik des Kapitals u.a. mittels manipulativer Methoden zu integrieren bzw. subsumieren, und

4. hierfür -aufgrund der massenhaft benötigten fossilen und auch anderen Stoffe- eine Globalisierung u.a. von Syntropiequellennutzungen und von billigen Rohstoffen u.a. durch die Stabilität einer bestimmten globalökonomischen Struktur zwischen Extraktions- und Rohstoffimportökonomien benötigt.

Dadurch, dass das Wachstum in den fordistischen Dimensionen also hohe gesellschaftliche Kohäsion der akkumulationsrelevanten Kompetenzen erfordert, wird der systemische Charakter des Fordismus und somit die systemisch bedingten Ursachen der Naturzerstörungen seit dem Fordismus evident.[48] 

Das Dilemma der Natur besteht darin, dass die traditio­nelle und allgemeine kapitalistische Inhärenz der Maßlosigkeit in mo­dernster produktivistischer Technologieentwicklung[49] seine histo­risch-kulturelle Entsprechung findet.

Fazit:

Zentrale, im Marxschen „Kapital“ entfaltete ökonomische Kategorien entpuppen sich nicht nur als wesentliche „Konstitutionselemente“ der inneren Funktionsweise kapitalistischer Gesellschaften. Gerade ihr gesetzmäßiges Wirken bestimmt das kapitalistische Naturverhältnis in der Praxis und offenbart so ihr naturdestruktives Wesen.

Gesetze der Natur sind hierbei spezifisch ökonomischen Gesetzen untergeordnet bzw. widersprechen diesen. Die Grenze der Naturbelastung bzw. die begrenzte Absorptionsfähigkeit der Natur widerspricht der Grenzenlosigkeit der  allgemein kapitalistischen Zielsetzung der endlosen quantitativistischen Kapitalakkumulation.

In der konsequent weitergeführten Umsetzung dieser allgemeinen kapitalistischen Gesetzmäßigkeiten im Fordismus entstand nun eine Variante der Kapitalakkumulation, deren integraler Bestandteil weiterhin die sich um den Mehrwert zentrierenden ökonomischen Kategorien sind, welche sich als allgemeine kapitalistisch-immanente Ursachen der Naturzerstörung erwiesen.

Mit der nun neuen Dimension in der Entwicklung der Produktivkraft entstanden mit der internatio­nalen Ausweitung der intensiven Akkumulationsvariante Wachstumsausmaße, welche zu ihrer kontinuierlichen Weiterführung regulative Institutionen bedürfen, die als Garant dieser neuen Dimension des Wachstums dienen. Dadurch fungieren diese auch als Stütze der produktivisti­schen Ökonomie der Mehrwertmaximierung und werden zu Mitverursachern der Naturzerstörung.

Das in der kapitalistischen Ökonomie angelegte und sich entfaltende wi­dersprüchliche Verhältnis zwischen natürlichen Kategorien und ökonomischen entwickelt so zur Gewährleistung der Verwertung eine neue Qualität, denn im Fordismus tritt nicht nur die kapitalistische Ökonomie, sondern auch die kapitalistische, d.h. kommodifizierte Kultur mit seinen sozialen und politischen Regulationselementen tritt in Widerspruch zur Natur.[50]

Diese Kultur hat sich so im "Schlepptau" der Ökonomie von der Natur (mit dem sich entwickelnden Prozess der Produktivkrafterhöhung) entfrem­det, indem darauf abgezielt wird, die ökonomische Praxis den Gesetzen des Kapitals und nicht den der begrenzten Natur anzupassen. Mensch und Natur werden dadurch der Kapitalakkumulation unterworfen "und damit unter das Kommando des sich ... verwertenden Werts als system­notwendige Erfordernisse subsumiert". (Methe 1981: 212).

Der Naturmissbrauch ist demnach im entwickelten Kapitalismus ebenso praktisch notwendig[51], wie der Naturgebrauch in jeder Ökonomie. Die ökologische Krise ist demnach nicht Resultat einer nicht funktionierenden Ökonomie, sondern Resultat ihres Gegenteils, also in der Korrelation von Naturzerstörung und konti­nuierlichem kapitalistischen Wachstum begründet. Die Aufrechterhaltung wesentlicher kapitalistischer Strukturen bedingt also die Zerstörung von Natur.  

Die Zusammenhänge im Verhältnis Natur-Mensch-Ökonomie werden durch das Fassen von Entwicklung als materialistischer Geschichtsgang evident. Marx Feuerbachthesen sind diesbezüglich ein treffender Ausgangspunkt zur Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen.

Werden kapitalistisch-ökonomische Prozesse als Praxen verstanden, die sich wesentlich aus der Kategorie des Werts herleiten, erfordert eine Ursachenanalyse naturdestruktiver ökonomischer Praktiken einen werttheoretischen Bezugspunkt. Dieser ist in der Marxschen Theorie zu finden und wird in werttheoretischen Strängen der Regulationstheorie weitergeführt.

Ursachen von Naturzerstörungen werden so sowohl akkumulationstheoretisch als auch akkumulationshistorisch begriffen. So liefert insbesondere das Marxsche „Kapital“ einen theoretischen Fundus zur Analyse kapitalistischer Naturverhältnisse und die Analyse der kapitalistischen Entwicklungsvarianten in der Regulationstheorie knüpft hier an und führt zum weiteren Verständnis zunehmender Naturzerstörungen.

Die Anwendung Marxscher Theorie zur Auseinandersetzung mit der Problematik dieser Naturverhältnisse ist somit nicht nur möglich, sondern zur Ursachenanalyse und insbesondere zur weiterführenden Konzeption ursachenrückgebundenen Alternativformulierungen unumgänglich.

Eine ausführlichere Auseinandersetzung von Athanasios Karathanassis mit dieser Thematik erschien 2003 beim VSA-Verlag unter dem Titel: „Naturzerstörung und kapitalistisches Wachstum. Ökosysteme im Kontext kapitalistischer Entwicklungen.

Literatur:

 

Aglietta, M.:                                        A Theory of Capitalist Regulation. The US-Experience. London: NLB 1979.

 

Altvater, E.:                                         Lebensgrundlage (Natur) und Lebensunterhalt (Arbeit). Zum Verhältnis von Ökologie und Ökonomie in der Krise unter der Maxime der Kapitalverwertung und dem Regime hoher Außenverschuldung. Hrsg.: Internationales             Institut für Umwelt und Gesellschaft. o.O.: o.J. (= IIUG-Info ks 85-6).

 

ders.:                                                   Die Zukunft des Marktes. Ein Essay über die Regulation von Geld und Natur nach dem Scheitern des >>real existierenden Sozialismus<<. 2. durchges. Aufl. Münster: Vlg. Westfälisches Dampfboot 1992a.

 

ders.:                                                   Der Preis des Wohlstands oder Umweltplünderung und neue Welt(un)ordnung. 1. Aufl. Münster: Vlg. Westfälisches Dampfboot 1992b.

 

ders.:                                                   Geld, Natur und die Reflexivität der Gesellschaft. Dialektik Enzyklopädische Zeitschrift für Philosophie und Wissenschaft, Hamburg, (1992c) Nr.3, S. 35-50.

 

ders.:                                                   Die Ökologie der neuen Weltordnung. In: Umwelt global: Veränderungen, Probleme, Lösungsansätze. Hrsg.: M. Jänicke. Berlin, Heidelberg, New York, London, Paris, Tokyo, Hong Kong, Barcelona, Budapest: Springer Vlg. 1994. S. 165-181.

 

Arrighi, G.:                                          World Income Inequalities and the future of socialism. New left review, o.O., (1991) No.189.

 

Cartelier, J.; De Vroey, M.:                 Der Regulation