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trend onlinezeitung für die alltägliche wut
Nr. 7-8/1998
UZ-REDAKTION@LINK-F.RHEIN-MAIN.DE   (UZ-Redaktion)

Um die Arbeitsplätze bei BBC/ABB Käfertal

Zeit gewonnen, um Druck aufzubauen

Mit dem "Zwischenstand" der Auseinandersetzungen um die Arbeitsplätze bei BBC/ABB Käfertal befaßt sich "der blitz", die Betriebszeitung der DKP für die Belegschaft von Brown Boveri & Cie Mannheim:

Der in letzter Stunde zustande gekommene sogenannte Interessenausgleich stellt einen Zwischenstand der Auseinandersetzung dar, aber noch nicht das Ende. Er halbiert den angedrohten Personalabbau und begrenzt ihn. Ob es erstmals in der Nachkriegsgeschichte von BBC/ ABB Käfertal zu betriebsbedingten Kündigungen kommt, hängt vom Ausgang der Sozialplanverhandlungen und weiteren Druck der Belegschaft ab.

Statt 700 können maximal 370 Arbeitsplätze am Standort abgebaut werden. Knapp 100 davon werden samt Personal ausgegliedert bzw. verkauft: 58 zur ABB-Gebäudetechnik nach Ladenburg, 12 Kraftwerker an die MVV, 25 Werkschützer an Raab-Karcher. Das Schicksal der restlichen rund 270 Kollegen ist noch ungewiß. Es hängt beispielsweise davon ab, ob anstelle von Überstunden und Arbeitszeitverkürzung (auf 30 Stunden in der Woche nach Beschäftigungssicherungstarifvertrag) der Personalabbau verringert wird. Es hängt weiter davon ab, ob der Sozialplan attraktive Angebote für Altersteilzeit, Teilzeit, Vorruhestand, Aufhebungsverträge und konzerninterne Versetzungen bietet. Schließlich muß der Vorstand den Umfang der Werksverträge zurückfahren und noch mindestens 80 Arbeitsplätze gemäß der immer noch gültigen Standortbetriebsvereinbarungen aufbauen: 30 zusätzliche Arbeitslätze in der Beschichtung + 50 in der überbetrieblichen Werkinstandhaltung (UNIFER). Erst wenn alle diese Möglichkeiten ausgeschöpt sind, kommen die restlichen Beschäftigten in die Auswahl für betriebsbedingte Kündigungen.

Es besteht somit kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Die Belegschaft muß weiter zusammenhalten und dafür sorgen, daß es nicht zu Entlassungen kommt.

Trotz Einrichtung einer sogenannten Bedarfsmechanik mit 57 Kollegen sind vor allem Produktionsarbeiter von KW/P und KWS vom Personalabbau bedroht. Darüber hinaus droht trotz steigender Fehlerkosten die endgültige Zerschlagung der Qualitätsstelle KW/PQ. Hier konnte sich der Vorstand offensichtlich durchsetzen. Die Produktionsstruktur geht immer mehr vor die Hunde. Demgegenüber konnte die Ausgliederung bzw. Verkauf der Klein- und Mittelmechanik, der Ausbildung und der Küche in billigere Tarifgebiete verhindert werden.

Es fällt schwer, den "Interessenausgleich" zu bewerten, da er ein Zwischenergebnis und Rahmen darstellt und noch vieles offen läßt. Beispielsweise, inwieweit es zu Kündigungen kommen wird. Eines steht jedoch fest: Die gesetzlichen Möglichkeiten waren für den Betriebsrat so schlecht wie noch nie. Vor zwei Jahren änderten die Regierungsparteien auf Wunsch der Unternehmer das Betriebsverfassungsgesetz im Paragraph 113 derart, daß die Unternehmer bei Betriebsänderungen und -stillegungen freie Hand haben. Dennoch ist es gelungen, Zeit zu gewinnen, Druck aufzubauen, ein überzeugendes Gegenkonzept auszuarbeiten und die Verhandlungen zu einem Ergebnis zu bringen.

aus UZ unsere zeit, Zeitung der DKP, Nr. 32, 7. August 1998

 

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Nr.7-8/1998