Mit Juli/August-Ausgabe 2002 des trend beginnt die neue Serie "Algeriensolidarität - Materialien zur Aktualität & Geschichte der Dritte Welt-Bewegung". Die redaktionelle Entscheidung sich mit diesem vergessenen Teil der Geschichte der Internationalen Solidarität in der BRD zu befassen, war von verschiedenen Erwägungen getragen. Die folgende Matrix soll dies verdeutlichen:

Themenmatrix:  Algeriensolidarität(*)

Die Verbrechen der "Roten Hand" & die Unterstützung durch die BRD-Geheimdienste Die Sozialismuskonzeption der FNL Die Interessen des BRD-Kapitals
Die politischen Kräfte in der bundesdeutschen Algerien-Soli-Bewegung Die ökonomischen, militärischen und politischen Interessen des frz. Imperialismus in Algerien Die Rolle der NATO
Die Haltung des moskauorientierten Kommunismus in der Algerienfrage Der Islamismus und der algerische Befreiungskrieg

Die Völkerrechtsverbrechen im Algerienkrieg

Die Haltung der Trotzkisten, Sozialisten und anderer Linker Die Algerien-Soli-Bewegung als Vorläufer der Vietnam-Solidarität der APO Bürgerliche Öffentlichkeit und algerischer Befreiungskampf

*) Es handelt sich hier um einen ersten Entwurf, der demnächst einer weiteren Konkretisierung unterworfen wird.

Zur Zeit liegen folgende Texte vor:

Der Krieg in Algerien
Unsere Mitverantwortung für Algerien
Von
Reimar Lenz (1960)

Der Krieg in Algerien
und die Befreiung des Menschen
von Frantz Fanon

Der schmutzige Algerienkrieg
Über das Objekt der ersten Solidaritätsbewegung
Von Werner Balsen und Karl Rössel (1986)

Die Algeriensolidarität der Kölner Jusos
Jusos, Falken und Naturfreunde entdeckten über die Algeriensolidarität den Internationalismus
Von Fritz Bilz (1996)

Folter gehörte zum guten Ton
Von den brutalen Methoden französischer Militärs im Algerienkrieg wollte damals und auch in den Jahrzehnten danach in Frankreich niemand hören
von
Dorothea Hahn (2000)

Folter im Algerienkrieg (1954-62)
Die Rolle der französischen Armee - damals und heute

Von Marianne Arens und Françoise Thull (2001)

Frankreichs Algerienkrieg und die Generäle
Unfreiwilliges Ende eines langjährigen Tabus aus Staatsraison
von Konrad Watrin (2001)

Algerien
Artikel für die 15. WELTFESTSPIELE DER JUGEND UND STUDENTiNNEN IN ALGERIEN 2001
Referat von Michael Opperskalski
(2001)

Konspirativ
Wie der hessische Untergrund den algerischen Freiheitskampf unterstützte

von
Samuel Schirmbeck (2002)

Algerien: Ein Fallbeispiel für Aufstieg und (relativen) Niedergang des Islamismus
von
Bernhard Schmid (2003)

Personen oder Projekte, die diese Serie mit Texten und Dokumenten oder als Zeitzeugen unterstützen wollen, wenden sich an trend@infopartisan.net Stichwort: Algeriensolidarität

Filmtipp
Der Algerienkrieg: Kampf an vielen Fronten
Buch und Regie: Ute Bönnen und Gerald Endres 
Kamera: Martin Gressmann, Ali Halo
Redaktion: Wilhelm Reschl
Produktion: Ute Bönnen - Gerald Endres Filmproduktion
Erstausstrahlung: ARTE 1998
Länge: 53 min (SWR-Fassung 44 min)
Inhalt:
Der algerische Unabhängigkeitskrieg (1954-62) wurde wurde nicht nur in Afrika ausgefochten, die FLN, die algerische Nationale Befreiungsfront, agierte auch in Europa. Franzosen und Deutsche bauten Unterstützernetze für die FLN auf, sammelten Geld und schleusten Untergrundkämpfer über die Grenzen, der Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Wischnewski hatte kurze Zeit die Kriegskasse der FLN auf seinem Bankkonto.
Die gerade begonnene französisch-deutsche Versöhnung wurde durch diesen Krieg belastet. Algerier fanden Zuflucht in Deutschland, der europäische Arm der FLN verlegte mit stillschweigender Duldung der deutschen Behörden seine Führung in die Bundesrepublik, französische Geheimdienstler organisierten in Deutschland Attentate auf Unterstützer und Waffenlieferanten der FLN. Französische Wehrpflichtige, die nicht länger an dem grausamen Kolonialkrieg teilnehmen wollten, desertierten.
Deutsche nahmen direkt am Krieg teil, denn in der Fremdenlegion, die die Hauptlast der Kämpfe trug, dienten damals zu 70 Prozent Deutsche. Ein Deutscher organisierte aber auch ein Netz, das rund 4000 Legionären zur Flucht und zur Rückkehr in die Heimat verhalf.
Desertierter Legionär bei der algerischen Befreiungsarmee
Der Film zeigt, daß der Kampf um Algerien eine historische Premiere war: Die Zugehörigkeit zur einen oder anderen Seite wurde nicht mehr automatisch durch die Nationalität vorherbestimmt, sondern entsprang auch einer politischen Entscheidung, die der Einzelne für sich treffen mußte.
Das Manuskript des Films kann hier gelesen werden.
Quelle: http://home.snafu.de/endres/algerie.htm

Stand: 20.09.2003